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Die Gesundheit und das Wohlbefinden ihres Babys ist für Eltern das wichtigste Ziel. Auf eine gesundheitsfördernde Ernährung, Kleidung, Einrichtung und nicht zuletzt auch auf die Hautpflege wird grosser Wert gelegt. Wird ein Produkt von kompetenter Seite - sei es durch andere Mütter, Ärzte, Medien oder Fachliteratur - empfohlen und bewährt es sich auch noch bei eigener Anwendung, ist eine hohe Markentreue und u.U. die Weiterempfehlung an andere Eltern zu erwarten. Andererseits ist die Sensibilität gegenüber Risiken extrem hoch.
Die Aufgabe für die Hersteller von Hautpflegeprodukten für Babys lautet demnach: maximale Pflegewirkung bei minimalem Risiko nach dem aktuellen Stand der Hautforschung. Dabei müssen die Besonderheiten der Babyhaut berücksichtigt werden. Besonderheiten der Babyhaut Die anatomischen und physiologischen Besonderheiten der Babyhaut bedingen andere Anforderungen an die Hautpflege als sie an Produkte für Erwachsene zu stellen sind (1; 2; 3) (Abbildung 1). Die dünne Babyhaut mit ihrem hohem Wassergehalt in der Hornschicht und der gering ausgeprägten Barrierefunktion ist besonders empfindlich gegen Austrocknung und äußere Reizeinflüsse (4). Ein Schutz durch Talg, wie er beim Erwachsenen besteht, ist nur sehr gering ausgeprägt. Im Rahmen der Umstellung vom geschützten Milieu des Mutterleibs auf Temperaturschwankungen, Umgebungsluft mit niedriger relativer Feuchtigkeit, mechanische Belastungen sowie den Kontakt mit Krankheitserregern, Schad- und Reizstoffen reift die Haut nach der Geburt langsam heran.
Entwicklung und Funktion des Säuremantels Neugeborene haben zunächst eine annähernd neutrale Hautoberfläche mit einem durchschnittlichen pH-Wert von 6,5 (5). Die Stoffwechselprozesse in der Hornschicht, die Absonderung von Schweiss und geringen Mengen an Talg sowie die einsetzende Besiedlung der Haut mit Mikroorganismen sorgen für die allmähliche Einstellung eines sauren pH-Wertes von 5,5 im Durchschnitt an der Hautoberfläche im ersten Lebensmonat. Dieser Säuremantel erfüllt eine Reihe wichtiger Schutzfunktionen für die Haut. Nach neuen Erkenntnissen ist die Synthese einiger barrierewirksamer Hornschichtlipide aus Vorstufen, z.B. die Bildung von Ceramiden durch die saure Sphingomyelinase, vom sauren Milieu abhängig (6). Experimentell konnte eine Hemmung der Barriere-Regeneration nach Stripping oder Aceton-Behandlung der Hornschicht unter Einwirkung eines Puffers mit pH-Wert 7 im Vergleich zu pH-Wert 5,5 beobachtet werden (6). Weiterhin stabilisiert das saure Milieu in der Hornschicht die doppellamelläre Struktur der interzellulären Lipide (7), pH-Werte unter 4,5 und über 6,0 lassen die geordneten Strukturen und ihre Funktionsfähigkeit als Penetrationsbarriere zusammenbrechen (Abbildung 2). Dies erklärt die klinische Beobachtung einer verstärkten Austrocknung der Haut durch Reinigung mit neutralen und alkalischen Tensidpräparaten im Vergleich zu schwach sauren Zubereitungen (8) (Abbildung 3).
Auch die mikrobielle Besiedlung der Haut wird vom pH-Wert der Haut gesteuert (9). Die Keimbesiedlung der Haut entsteht bei Babys in den ersten Lebenswochen durch Überimpfung beim Hautkontakt mit Erwachsenen. Eine Wachstumshemmung pathogener Keime durch den schwach sauren pH-Wert, wie beim Erwachsenen (9), liegt bei Babys im ersten Lebensmonat nicht vor. Die Auswirkungen des pH-Wertes von Hautpflegepräparaten auf die Entwicklung der Residentflora der Babyhaut wurde bislang nicht untersucht. Der pH-Wert von Hautreinigungsmitteln kann den Säuremantel angreifen und für längere Zeit stören. Dies wurde im Fall der Seife für Erwachsene (10) und für Kleinkinder (11) nachgewiesen (Abbildung 4). Die pH-Änderung geht mit verstärkter Austrocknung einher. Seifenfreie Tensidpräparate mit neutralem pH-Wert beeinträchtigen den Säuremantel der Haut ebenfalls (9). Auch der pH-Wert der Wasserphase von Emulsionen zur Hautpflege hat nachhaltigen Einfluss auf den Hautoberflächen-pH (Abbildung 5) und die hydratisierende Wirkung (12). Obwohl diese Faktoren durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt sind und bereits seit über 30 Jahren Hautpflege-Präparate mit hautphysiologischem pH-Wert wie Sebamed auf dem Markt sind, wird der Aspekt der Anpassung des pH-Wertes an den Säuremantel im Bereich der Hautpflege für Babys nur vereinzelt berücksichtigt.
Hautreinigung bei Babys Bei der Reinigung der Babyhaut ist meist kein stark haftender Schmutz zu entfernen. Die austrocknende und entfettende Wirkung sowie das Irritationspotenzial, insbesondere an Schleimhäuten, muss gering sein. Deshalb sollten milde Waschaktivstoffe wie die Sulfosuccinate, Betaine und Alkylpolyglycoside (13) (Abbildung 6) eingesetzt werden. Es gibt jedoch nach wie vor Reinigungsprodukte für Babys, in denen Natriumlaurylsulfat zur Anwendung kommt. Der Einsatz von rückfettenden Stoffen ist nicht immer sinnvoll (14). Konservierungsmittel-, Duftstoff- und Farbstoff-freie Rezepturen vermitteln dem Verbraucher zwar den Eindruck höherer Verträglichkeit, beeinträchtigen aber die kosmetischen Eigenschaften und die Stabilität des Produktes. Insbesondere ist beim Ersatz von Konservierungsstoffen durch Substanzen mit keimhemmender Eigenschaft, die nicht in der Liste der Konservierungsmittel der Kosmetikverordnung stehen, z.B. Alkohol und kationische Tenside, oder bei Verwendung etherischer Öle zu beachten, dass ein irritativer Effekt nicht sicher auszuschliessen ist.
Aufschluss über die Hautverträglichkeit können nur sorgfältige Produkttestungen geben. Die Handhabung der Hautreinigung hat wesentlichen Einfluss auf die Hautverträglichkeit. Bei trockener Haut und bei Neurodermitis wird vom täglichen Baden abgeraten. Von langen Bädern ist in jedem Fall abzuraten. Die Wassertemperatur sollte 35° C nicht überschreiten. Eine sparsame Dosierung der Hautreinigungsprodukte ist sinnvoll. Überdosierung erfolgt meist dann, wenn der Schaum als Mass für die Reinigungswirkung herangezogen wird. Hautreinigung im Windelbereich Die Hautreinigung im Windelbereich muss mehrmals am Tag durchgeführt werden, um die Kot- oder Urinreste vollständig zu entfernen. Zweckmässig sind mit Öl oder einer Reinigungslösung getränkte Vliestücher. Biologisch abbaubares Vliesmaterial wie Viskose ist aus ökologischen Gründen zu bevorzugen. Für die Reinigungslösung gelten die o.g. Überlegungen. Öltücher vermitteln neben der Reinigung zusätzlich einen Pflegeeffekt, eignen sich aber, im Gegensatz zu den Tüchern mit Reinigungslösung, für andere Hautpartien weniger gut. Auch hier sind Verträglichkeitstests zu fordern. Pflege und Schutz der Haut bei Babys
Wegen der geringeren Barrierefunktion und der höheren Austrocknungsneigung der Babyhaut ist das Eincremen ein wichtiger Bestandteil des Hautpflegeprogrammes. Grundsätzlich sollten an die Hautpflegeprodukte Richtlinien angelegt werden, wie sie in der Leitlinie für Dermokosmetika zur Pflege der trockenen Haut von der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) (15) definiert wurden. Neben Ölen kommen überwiegend Wasser-in-Öl oder Öl-in-Wasser-Emulsionen zum Einsatz. Für den Windelbereich und Hautpartien, die unbedeckt Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, eignen sich Wasser-in-Öl-Emulsionen am besten. Bei großflächiger Anwendung haben Öl-in-Wasser-Emulsionen bessere Akzeptanz. In der Ölphase der im Markt befindlichen Pflegemittel überwiegt nach wie vor das Paraffinöl, oft in Verbindung mit Vaselin. Verträglichkeitsbedenken hinsichtlich einer okklusiven Wirkung dieser Mineralöle lassen sich aus der Erfahrung der Haut- und Kinderärzte nicht bestätigen. Besonders im Windelbereich ist eine begrenzte Okklusion als Schutz gegen Kot und Urin sinnvoll. Verstärkt werden pflanzliche Öle in Hautpflegeprodukten eingesetzt. Als besonders pflegewirksam gelten Öle mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren und neuerdings Ceramide. Feuchthaltesubstanzen wie Glycerin (16), Antioxidantien wie Tocopheryl Acetat (17), entzündungshemmende Zusätze wie Kamillenextrakt oder Bisabolol sowie heilungsfördernde Stoffe wie Panthenol (18) haben sich bei der Hautpflege insgesamt gut bewährt (Abbildung 7). Zinkoxid wird vor allem in Windelcremes wegen seiner Abdeckwirkung und der entzündungshemmenden sowie antimikrobiellen Eigenschaften eingesetzt. Der oft kritisierte Einsatz von Parfümstoffen in Pflegeprodukten für Babys ist angesichts der insgesamt geringen Häufigkeit von nachweisbaren Parfümallergien auf Hautpflegeprodukte - laut IKW-Statistik im Schnitt eine allergische Reaktion insgesamt auf eine Million verkaufte Kosmetikpackungen (19), davon nach Schätzungen der Dermatologen ein Drittel durch Parfümstoffe verursacht - gerechtfertigt, weil er die kosmetische Akzeptanz des Produktes verbessert und den Einsatz von Stoffen ermöglicht, die wie die ungesättigten Fettsäuren einen unangenehmen Eigengeruch entwickeln könnten. Die Problematik der Konservierungsstoffe wurde bereits zuvor behandelt. Farbstoffe kommen bei Körperpflegeprodukten nur selten zur Anwendung. Die Substanzgruppe der Polyethylenglykole (PEG) wird ebenfalls gelegentlich kritisiert, weil diesen Stoffen eine penetrationsfördernde Wirkung nachgesagt wird. Die chemische Vielfalt der Stoffgruppe lässt einen solchen Schluss jedoch nicht generell zu. Verträglichkeitstests mit dem fertigen Produkt bieten hier eine verlässlichere Basis zur Beurteilung. Auch bei Emulsionen zur Hautpflege sollte der pH-Wert beachtet werden, da diese Präparate lange Zeit auf der Haut bleiben, ist ihr Einfluss auf den Säuremantel nicht zu vernachlässigen. Insbesondere im Hinblick auf die pH-Abhängigkeit der Synthese von Barrierelipiden ist die Erhaltung des schwach sauren pH-Wertes der Hautoberfläche wünschenswert.
Um eine kompetente Beratung zu Hautpflege bei Babys durch die Experten zu erleichtern, sollten die Hersteller den Ärzten und Apothekern ausführliche Informationen über die Produkte zur Verfügung stellen, die über die gesetzlich geforderte Inhaltsstoffangabe hinausgehen. In der bereits erwähnten Leitlinie für Dermokosmetika zur Pflege der trockenen Haut der Gesellschaft für Dermopharmazie sind relevante Angaben zusammengefasst (14) (Abbildung 8). Die Bereitstellung von Proben zur Produkttestung und eines Beratungsservice seitens der Hersteller ist für Eltern eine wichtige Hilfe bei der Auswahl geeigneter Hautpflegeprodukte für ihr Baby. Literatur
Autor Dr. Michaela Arens-Corell
Dr. rer. nat. Michaela Arens-Corell, seit 1992 bei der Sebapharma GmbH&Co. KG, kam nach Biologie-Studium und Promotion über die Forschung in der Pharmaindustrie zur Hautpflege. Als Leiterin der Medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bringt sie die Erkenntnisse aus der Hautforschung in die Produktentwicklung, Marketing-PR-Arbeit und die Verbraucherberatung zu den sebamed-Produkten ein. nach oben | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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