| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| |
„Endlich in neuer Auflage!“ So schreibt erfreut Dr. Dirk Mehlan (Bundesverband Handschutz e.V.) in seinem Vorwort. Mit Recht, satte neun Jahre sind seit der letzten Auflage vergangen, nicht nur für die Berufsdermatologie ein wahrhaft langer Zeitraum. Die 5. aktualisierte und erweiterte Auflage weist alle Vorzüge einer umfassenden Bearbeitung auf, es lohnt sich daher an dieser Stelle näher darauf einzugehen. Bereits beim losen Durchblättern der 440 Seiten ist nicht zu übersehen, dass die anwendungsgerechte Beschreibung und praxisorientierte Listung der Produkte zum beruflichen Hautschutz, der Hautreinigung und der Hautpflege innovativ genannt werden können und im Vordergrund stehen. Mehr als 200 Seiten sind dieser branchen- und tätigkeitsbezogenen Auswahl und Produktzuordnung sehr übersichtlich gewidmet inkl. aller Hautschutzpläne der beteiligten Firmen. Eine bessere Übersicht wurde dem Anwender noch nie geboten. Im 1. Kapitel wird erschöpfend Aufbau und Funktion der Haut behandelt. Hinsichtlich der für die Berufsdermatologie alles bedeutenden Hornschicht wird auf die Barriereleistung der Hornzellschicht hingewiesen und auf das Faktum, dass der „Wirkungsmechanismus der Hautschutzsalben in diesem Hautabschnitt“ angesiedelt ist. Allerdings ohne eine funktionstüchtige, aber nicht genannte Reservoirfunktion der Hornschicht gäbe es diesen, wie immer gearteten Wirkungsmechanismus nicht. Sehr spezifisch und detailliert gehen im weiteren Dr. Birgit Marschner und Frank Zuther auf den aktuellen Hautzustand ein. Eine Tabelle fasst Hautzustand, Hydrolipidfilm, Aussehen und gut gewählte Beispiele übersichtlich zusammen. Im Vorgriff auf spätere Kapitel (s. unten) befassen sich die Autoren zusätzlich mit den Auswirkungen der Hautreinigung auf den aktuellen Hautzustand, indem sie von einer „zu häufigen und/oder aggressiven Hautreinigung“ schreiben: „Durch den Einsatz von Abrasiva werden die obersten Hautschichten abgeschmirgelt und verringern die Schutzfunktion drastisch“, mit den bekannten Folgen (u.a. Abnutzungsekzeme).
Ebenso detailliert und mit übersichtlichen Tabellen strukturiert wird im Kapitel "Beruflich bedingte Hauterkrankungen" auf die verschiedenen Ekzemformen eingegangen, sind sie doch die vorherrschenden Erkrankungsformen. Die für sich sehr informative Tabelle fasst die Tätigkeiten, Einwirkungen und wichtige Allergene und chemisch irritative Substanzen zusammen. Leider werden mit der Überschrift in der letzten Spalte undifferenziert alle Allergene als wichtig und alle chemischen Substanzen als irritativ gekennzeichnet sowie Produkte, Produktkategorien und Inhaltsstoffe gleichbedeutend subsummiert. Gemessen an den anderen Tabellen in der zweiten Buchhälfte erscheint diese als zu wenig ausgearbeitet. Sehr detailliert hingegen werden im Weiteren die Exogenen Ekzeme (toxisches/allergisches Kontaktekzem, Ekzem durch Zement) inklusive des Allergienachweises durch Epikutanteste mit der ´Europäischen Standardreihe´ beschrieben. Sie enthält ca. 20 der wichtigsten in Europa vorkommenden, häufig sensibilisierenden Stoffen, darunter u.a. Nickel, Kobalt, Kaliumdichromat, Duftstoff-Mix und andere. Darüber hinaus gibt es spezielle Testreihen für besonders gefährdete Gruppen.
Zum Zahlenverhältnis zwischen toxischem und allergischen Kontaktekzem geben die Autoren eine persönliche Einschätzung ab, in dem sie davon ausgehen, dass bei der richtigen Auswahl und der Anwendung von Schutzhandschuhen und Hautmitteln nahezu 80 Prozent aller Ekzeme vermieden werden können. Dieser Ansicht kann sich der Autor ebenfalls als persönliche Meinung anschließen. Allerdings müsste die Hautirritation, deren Diagnostik und Vermeidung im Vordergrund dieses Fachkapitels stehen und nicht das allergische Geschehen, unabhängig von der Chrom-6- Problematik. Hier liegt sicherlich noch ein weites unbearbeitetes Feld vor der Berufsdermatologie. Zwei weitere Kapitel befassen sich Hauterkrankungen im Berufsleben sowie mit rechtlichen Grundlagen in Hautmittel als Bestandteile der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Im letzteren sind die neuen Kennzeichnungsvorschriften für kosmetische Mittel nach der 7. Änderungs-Richtlinie zur EG-Kosmetikrichtlinie inkl. der individuellen Deklaration von 26 Duftstoffen enthalten. Dr. Joachim Ennen (Beiersdorf AG) geht im Kapitel “Kosmetische Formulierungen für den Hautschutz – Konzepte, Inhaltsstoffe und lokale Verträglichkeit" sehr umfassend auf Formulierungen, Einsatzbereiche und Inhaltsstoffe (Emulgatoren, lipophile, hydrophile Bestandteile, Konservierungsstoffe, Antioxidantien und Wirksubstanzen) ein. Die modernen Formulierungen verwischen die früher angenommenen unterschiedlichen Wirksamkeiten von O/W- oder W/O Emulsionen gegenüber hydrophilen Arbeitsstoffen. Somit gibt es vom Emulsionstyp her keine Einschränkungen bezüglich der Einsatzmöglichkeiten. Diese Entwicklung mit neuen Formulierungstechnologien wird sicherlich zu neuen betriebsspezifisch wirksamen Hautschutzprodukten führen und sind eine Chance für die Entwicklung von Hautreinigungsmittel. Abschließend werden die zukünftigen Herausforderungen formuliert: systematische Entwicklung von Hautschutzprodukten mit spezifischen Wirkprofilen auf der Grundlage einer Analyse der Wechselwirkungen von kosmetischen Inhaltsstoffen mit der Hornschicht. Fokus dabei soll die Berücksichtigung der Entwicklung von Konzepten zur physiologischen – zusätzlich zur physikalischen – Stärkung der Hautbarriere sein. Sichtbar im Mittelpunkt dieser Überlegung steht die Hornschicht mit Barriere- und Reservoirfunktion. Umfassende Darstellungen zu Hautschutzmittel und Hautreinigungsmittel werden in zwei weiteren Kapiteln gegeben. Im gut strukturierten und überaus informativen Beitrag zu den Hautschutzmitteln werden alle wesentlichen Punkte der Anwendung von Hautschutzmittel zusammengeführt. Hinweise auf die Grenzen der Wirksamkeit fehlen nicht. So gibt es z.B. den keinen ´flüssigen Handschuh´, wenngleich „es in der Praxis leider immer noch vermittelt wird“. Enttäuschend hingegen war der Beitrag zu Hautreinigungsmitteln, obwohl die graphische Aufbereitung beeindruckt und auf den ersten Blick informativ scheint. Im Systematischen Hautschutz bestehend aus ´Hautschutz, Hautreinigung, Hautpflege´ stellen die Hautreiniger den weitaus größten Produktanteil mit der größten Anwendungsfrequenz, den höchsten Tensid- und Lösemittelgehalten. Viele von den Produkten beinhalten noch Abrasiva, um über Peelingeffekte die Hautreinheit wieder herzustellen. Dass es dabei zu effektvollen Eingriffen in die Hautphysiologie kommt, wird nur im Kapitel "Aktueller Hautzustand" (s. oben) beschrieben. Im Fachbeitrag hingegen finden sich nur allgemeine Hinweise auf dermatologische Verträglichkeit bzw. die Methodik, d.h. die reale Hornschichtsituation wird vollständig ausgeblendet. Dies wird in den beiden Graphiken (Wirkungsweise eines Grobreiniger mit und ohne Lösemittel, deutlich erkennbar: Sämtliche Aktionen und beteiligte Stoffe (Schmutzpartikel, Tensidmoleküle, Lösemittel, Reibekörper, Wasser) sind über der (unberührten) Hautoberfläche angeordnet. Dass Tenside, Lösemittel und Reibekörper in die Hornschichten gelangen müssen, wohin während der Arbeitszeit die mit Schmutzpartikel beladenen Emulsionen bzw. oder andere Verschmutzungen penetriert sind, sollte ausreichend Erwähnung finden. Gemessen an der Frequenz und Intensität der Anwendung auf einer strapazierten Haut erwartet der Anwender eine spezifische Diskussion und Darstellung. Zudem kann betrieblich nicht sichergestellt werden, dass sich an die Reinigung immer eine wirksame, regenerierende Hautpflege anschließt. Nach den sehr abgerundeten Kapiteln zur Hautpflege, Schutz vor UV-Strahlen und Hände-Desinfektion wird ausführlich die Prüfung der Wirksamkeit von Hautmitteln für den beruflichen Einsatz von Dr. Wolfgang Röcher (Stockhausen GmbH) beschrieben. Zur Zeit gibt es für den Hautschutz keine einheitliche Methode zum Wirksamkeitsnachweis. Die Gründe dafür liegen nicht in einer grundsätzlichen Unmöglichkeit des Nachweises, sondern in der Tatsache begründet, dass es sich bei der Ausbildung der Schutzwirkung um die Kombination physiologischer und physikalischer Effekte handelt, die einer rein technisch-physikalischen Prüfung nicht zugänglich sind. Ein weiteres Problem bildet die fast unendliche Bandbreite der Arbeitsstoffe. Daher werden generelle Wirksamkeitsuntersuchungen zur Auslobung von Schutzpotentialen exemplarisch an Modellsubstanzen durchgeführt und nur bei speziellen Fragestellungen authentische Arbeitsstoffe getestet. Der Autor unterscheidet zwischen in-vitro-Verfahren wie etwa Membrandiffusionstest oder Kammerdiffusionstesten (OECD-Guideline 428) und ex-vivo und in-vivo Verfahren. Bei den ex-vivo Verfahren liegen für zwei Methoden Erfahrungen vor, dem BUS-Modell und dem 3D-Modell. Während das BUS-Modell sich der lebensfähigen natürlichen, perfundierten Euterhaut mit reifer Hornschicht bedient, liegt im 3D-Modell eine unreife Hornschicht mit sehr geringer Reservoir- und Barrierewirkung vor. In beiden Fällen werden biochemische Parameter (Entzündungsmediatoren, Vitalitätsmarker) zur Bestimmung des Hautzustands mit oder ohne Vorbehandlung eingesetzt. In ex-vivo-Verfahren können authentische Arbeits- und Modellstoffe aller Irritationsgrade getestet werden. Jedoch ist bei der in-vivo Methodik an freiwilligen Probanden aus ethischen Gründen eine Einschränkung auf gering/mäßig irritative Arbeitsstoffe bzw. Modellsubstanzen erforderlich. Insgesamt ist dieser Abschnitt sehr detailliert und gibt einen guten Überblick über den derzeitigen Status, der durch die eine Leitlinie ´Berufliche Hautschutzmittel´ bestätigt wurde. Allerdings ohne Unterweisung und Schulungsmaßnahmen, die einen festen Platz in der Prävention haben, geht es nicht. Daher werden zuletzt alle Details der Hautschutz- und Hygieneschulung und der betrieblichen Organisation von Hand- und Hautschutzmaßnahmen praxisnah vorgestellt.
Zum Schluss bleibt festzustellen, dass der Inhalt das bringt, was der Titel „Alles über Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege“ verspricht. Beide Hauptautoren, Fr. Dr. Marschner und Frank Zuther, die mehr als die Hälfte alle Beiträge als Autoren geschrieben oder als Co-Autoren betreut haben, sorgten für einen hohen Grad an Konsistenz und Transparenz in diesem wirklich breiten Fachgebiet. In Verbindung mit der branchen- und tätigkeitsbezogenen Auswahl und Produktzuordnung sind hier in vorbildlicher Form und gut lesbar, Daten und Informationen zusammengetragen. Sie machen das Buch für alle, die mit Haut- und Handschutzfragen zu tun haben, absolut empfehlenswert. Es ist zu hoffen, dass die nächste Bearbeitung nicht wieder neun Jahre auf sich warten lässt, dabei die erwähnten Schwächen behoben und die innovative Darstellung der relevanten Produktkategorien um aktuelle Wirksamkeits-/ Verträglichkeitsnachweise ergänzt werden. nach oben | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Juli 2006 | Copyrigh © 2000 - 2008 Skin Care Forum Cognis GmbH | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||