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Schokolade ist nicht nur gut für die Seele, sondern auch für die Haut. Sie essen Honig und haben das Gefühl, dass Sie sich jetzt am liebsten hineinlegen möchten? Sie trinken Champagner und würden das Prickeln auch gerne auf der Haut spüren? Sie pflegen sich mit Hautmilch? Verwöhnen Sie sich gerne mit einer guten Bodybutter? Viele Düfte in Ihrer Kosmetik kommen aus Früchten und Gewürzen. Kosmetik von früher Die Kosmetikindustrie hat schon immer von der Lebensmittelindustrie gelernt und übernommen. Nicht nur die großen Rohstoffquellen wie Kokos und Palmkernöle sind für die Lieferanten von Tensiden, Emulgatoren und Emollients auf natürlicher Rohstoffbasis wichtig. Daneben werden zur Gewinnung von speziellen Kosmetikkomponenten alle Arten von Nahrungsquellen genutzt, die uns vom Frühstück bis zum Abendtee oder den letzten Rotweinschluck in der Ernährung begleiten. Cerialien, Milch, Brot, Honig, Kaffe, Tee, Obst, Reis, Kartoffeln, Avocado, Olivenöl, Soja, Nüsse, Hefe, Grüner Tee, Rotwein enthalten die Bausteine des Lebens, die nicht nur unsere Geschmacksnerven und das Sättigungsgefühl zufrieden stellen. Aber sie wirken auch auf und in der Haut, an und in den Haaren.
Emulgatoren, Solubilisatoren und andere Zusätze, die u.a. in Mayonnaise und Süssspeisen enthalten sind werden ebenso in der Kosmetik verwendet, z.B. hochmolekulare Monoglyzeride, Antioxidantien und Farbstoffe. Haarspülungen mit Bier oder Kamillentee wurden als bewährte Hausrezepte zur Aufhellung oder Kräftigung der Haare von Generation zu Generation weitergegeben. Etwas außergewöhnlich und belächelt wurde die Gurkenscheiben-Feuchtigkeitsmaske oder die Quarkpackung in einem Vorstadium der Wellnessbewegung. In den 90er Jahren gab es dann die essbare Creme aus der Heimproduktion, die dann zur Verlängerung der Haltbarkeit in den Kühlschrank gestellt wurde. Kosmetik von heute Sowohl die Ansprüche an die Nahrungsmittelindustrie als auch die in der Kosmetikindutrie haben sich gewandelt. Nicht das Sättigen steht heute im Vordergrund sondern Gourmetbewußtsein, ökologisches Bewusstsein, Wellnessbedürfnisse, Slow Food oder das Extreme Fast Food. Die mediterrane oder die asiatische Küche und andere Einflüsse haben ganz neue Möglichkeiten eröffnet nicht nur kulinarisch.
Wer hätte vor 40 Jahren oder früher in Nordwesteuropa an einen Olivenextrakt oder an Olivenöl in einer Babypflege gedacht oder welche Mutter hätte ein solches Produkt gekauft? Wer hätte sich mit Schokolade massieren lassen oder Caviarextrakt zur Faltenreduktion verwendet? Wer kannte Avocados, Mangos, Tapioca, Quinoa, und viele andere exotische Früchte und Kräuter? Wer kam auf die Idee, Traubenkerne zu verwerten? Einen anderen Einfluss aus der Lebensmittelindustrie haben wir durch die BSE-Krisen erfahren. Diese haben dazu geführt, dass nun seit einigen Jahren kaum noch tierische Rohstoffquellen genutzt werden und damit altbewährte Wirkstoffe wie Kollagen, Elastin oder Placenta aus den meisten Kosmetikprodukten in Europa, aber auch in Asien und in den USA nahezu verschwunden sind. Gleichzeit wuchs die Bedeutung der pflanzlichen Rohstoffe erheblich und es konnten sich biotechnologisch und synthetisch gewonnene Substanzen auf dem Rohstoffmarkt etablieren.
Die Anforderungen an das Kosmetikum heißen heute nicht nur einfach reinigen und pflegen. Die Vielfalt der gewünschten Funktionen im Haut- und Haarbereich ist extrem groß geworden. Die Suche nach Substanzen, die spezifische Leistungen bringen ist intensiv. Weltweit suchen Forscher und Entwickler von Kosmetikingredenzien nach Molekülen und stoßen dabei oft wieder auf Quellen unserer bekannten Nahrungsmittel z.B. Weizenproteine, Maisstärke, Kamillenblütenextrakt, Sonnenblumenvitamin, Fruchtsäuren. Daneben spielen die so genannten Exoten heutzutage eine ganz besondere Rolle, z.B. Koffein, Sheanussbutter, Algenmineralien, Moringa-Mikroproteine, Passionsblumenöl, Lakritz-Extrakt um nur einige der nahezu Unzähligen zu nennen. Die Anforderungen an ein gutes Kosmetikprodukt werden heute jedoch nicht nur mit der Auswahl von Inhaltsstoffen sondern auch durch die Technik erfüllt. Die Nachtcreme der 50er Jahre war oft eher eine Salbe und selbst pharmazeutische Salben sind heute nicht mehr vergleichbar mit den Zubereitungen von früher. Ein Lippenstift darf nicht brüchig sein und nicht ausblühen. Hier hilft uns die Schokoladenindustrie, denn auch eine Schokolade kann nach Anschmelzen in der Wärme und anschließender Kühlschranklagerung ausblühen. Zur Vermeidung dieses Rekristallisierungsphänomens bei der Kakaobutter werden heute natürliche, anerkannte Substitute eingesetzt, z.B. Sheanussbutter oder Shoreabutter.
Wie bei der Zubereitung von Nahrungsmitteln wird in der Kosmetik auch gerührt. In beiden Industrien wird heute dank der technischen Entwicklung ein anderes Equipment eingesetzt - der Zauberstab in der Küche ist der Homogenisator in der Kosmetikproduktion. Neue physiko-chemische Messmethoden und deren Ergebnisse machen es möglich, die Rheologie und die Stabilität einer Rezeptur zu verbessern. Durch Derivatisierung von Naturstoffen sind Produkte mit höherer Konsumentenakzeptanz entstanden: Esteröle oder Verbindungen wie Dicaprylether oder Dicaprylyl Carbonat aus pflanzlichen Quellen führen zu leichteren Rezepturen als schwere, stark fettende Naturöle. Nutrikosmetik von heute Wie beim Kochen sind auch in der Kosmetikentwicklung das richtige Rezept, die Auswahl der Zutaten und das Gelingen der Zubereitung wichtig. Das Essen soll köstlich riechen, verführerisch aussehen und schmackhaft sein. Das Kosmetikprodukt soll gut riechen, sich gut anfühlen und wirken, bei Lippenprodukten auch gut schmecken. Wenn etwas auf der Zunge zergeht, sind dafür Geschmack und Konsistenz verantwortlich. Wenn eine Creme als sehr angenehm empfunden wird, sind viel mehr Faktoren dafür ausschlaggebend, angefangen von der Produktentnahme über das Einziehverhalten bis hin zum Texturempfinden. Daher ist es auch vielleicht nicht erstaunlich, dass Kosmetikprodukte erfolgreich sind, die alle Sinne berühren und wenn das Erlebnis mit den geweckten Erwartungen übereinstimmt optisch, olfaktorisch und haptisch: der cremige Schaum eines Cappuccinos im Haar, die leichte Mandel-Reinigungsmilch zur Hautreinigung, das zarte Vanillejoghurt ohne Kalorien für die tägliche Dusche, die reichhaltige Shoreanuss-Bodybutter für die Pflege nach dem Duschen, das Kokosnuss-Soufflee als Haarkur, das erfrischende, mit Algen angereicherte mineralische Gesichtswasser, das Fruchtgel für ein Haarstyling, das Honiggel zur Versüßung der Altersfalten, das vitaminreiche Zitronensorbet als Guten Morgen Tagespflege die Beispielkette könnte endlos fortgesetzt werden. Um den Erwartungen hier gerecht zu werden, sind Parfümeure, Verpackungsentwickler und vor allem die Kosmetikentwickler gefordert. Die wahrscheinlich schwierigste Aufgabe ist es, die entsprechende Textur zu finden, die dann auch noch mit zahlreichen Anreicherungen an Vitaminen, Mineralstoffen, Proteinen, Kohlenhydraten, Bindemittel, Verdickern bei diversen Temperaturen stabil bleibt. Denn im Gegensatz zu Lebensmitteln, dürfen sich Kosmetikprodukte nicht wesentlich verändern und sie müssen viel länger haltbar sein als ein Nahrungsmittel. Sowohl die Rohstoffindustrie als auch die Kosmetikhersteller sind auf der Suche nach immer neuen, aufregenden oder einfach nur den geeigneten Texturen. Dafür ist zum einen die Entwicklung und die Verfügbarkeit von neuen Subtanzen, neuen chemischen Verbindungen oder neuen Substanzkombinationen und zum anderen die Entwicklung neuer Herstellverfahren notwendig. Ein Beispiel für eine innovative Entwicklung im Bereich der Wachse stellt das Pentaerythrityl Distearate dar, eine neue chemische Struktur für elegante Bodybutter-Formulierungen mit den höchsten Ansprüchen an das Hautgefühl. Die Nachstellung einer Sorbettextur wurde erst durch die Formulierung einer leicht transparenten Gelcreme realisierbar, in der ein Polymerverdicker oder emulgator mit einem traditionellen Emulgator kombiniert wird. Die Textur liefert heute einen wesentlichen Beitrag zur Marketing Story sowie zum Design eines Kosmetikums und wird zur Produktdifferenzierung genutzt. Technologische Bereicherungen wie die Entwicklung der Phaseninversions-Technologie (PIT) haben die Einführung von wasserdünnen Pflegeemulsionen ermöglicht, die der Milch gleichen und sich durch die Auswahl der Öle auch von einer Vollmilch bis zur entrahmten Milch variieren lassen. Die Nachstellung einer Sorbettextur wurde erst durch die Formulierung einer leicht transparenten Gelcreme realisierbar, in der ein Polymerverdicker oder emulgator mit einem traditionellen Emulgator kombiniert wird. Quo vadis? Nun stellt sich nur noch die Frage, was passiert in der Zukunft, wohin geht der Trend zur Kosmetikserie als 7-Gängemenue? Vielleicht wären die heutigen Kosmetikchemiker gut beraten, sich durch TV-Kochserien, Kochkurse bei Starköchen, Trendkochbücher und das Suchen von kreativen Rezepten in Gourmet-Zeitschriften inspirieren zu lassen um daraus den neusten Kosmetiktrend zu kreieren. Möglicherweise gibt es dann auch die Auszeichnung mit dem einen oder anderen Stern. Guten Appetit! Hinweise Dieser Artikel ist unter dem Titel From a cucumber mask to a sorbet/ Von der Gurkenmaske zum Sorbet von Ute Griesbach in Cossma 4/2006, S. 22-23 erschienen. Ein Vortrag zum Thema mit dem Titel Von der Schokolade zur Kosmetik wurde von Ute Griesbach auf der BDHI Fachtagung Aktuelle Neuigkeiten für die Kosmetikbranche am 9. November 2005 in Mannheim gehalten. Modellrezepturen Die folgenden Modellrezepturen greifen den Einfluss aus dem Nahrungsmittelbereich auf das Kosmetikum auf. Es handelt sich um Haut- und Haarpflegeformulierungen: Irresistable Silky Temptation (Fruit Gel)
Vergrößerte Version Creamy Serum (Yogurt)
Vergrößerte Version Moisturizing Soufflé Face Cream (Coconut Soufflé) ![]() Vergrößerte Version Golden Body Butter (Butter): ![]() Vergrößerte Version Cool textures for hair conditioning treatments are: Tasty Hair Care Mayonnaise: ![]() Vergrößerte Version Delightful Tropical Fruits and Cereal Hair Liquid Yogurt:
Vergrößerte Version Zero Calories Sweet Pleasure Hair Treatment:
Vergrößerte Version Autor Ute Griesbach ![]() Ute Griesbach, Biologisch Technische Assistentin, war seit 1981 bei Henkel in der biotechnologischen Forschung und im technischen Produktmanagement für kosmetische Rohstoffe, speziell Wirkstoffe, tätig. Später war sie u.a. im Marketing, Business Development, Projektmanagement sowie für den Aufbau von neuen Produktgruppen bei Cognis Care Chemicals zuständig. Heute ist sie für das Marketing von Skin Care-Produkten in Nordeuropa mit Fokus auf die Produktgruppen natürliche Öle, Verkapselungstechnologie, Pflanzenextrakte und Proteine verantwortlich. nach oben | ||||||||||||||||||||||||||||||||
| Juli 2007 | Copyrigh © 2000 - 2008 Skin Care Forum Cognis GmbH | ||||||||||||||||||||||||||||||||