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Bericht aus der Wissenschaft   Augen-Blicke: Wahrnehmung, Messung und Visualisierung kosmetischer Effekte   Dr. Torsten Clarius *, Olga Freis PhD**, Dominique Gauché**, Marie-Danielle Vazquez-Duchêne PhD**, Marie-France Zambaux PhD**, Gilles Pauly M.D.** and Andreas Rathjens PhD**

Zusammenfassung

Die Leistungsfähigkeit kosmetischer Produkte wird dem Verbraucher gegenwärtig häufig über Prozentzahlen vermittelt. Die Werte stammen aus in vitro- oder in vivo- Studien; die klinischen Untersuchungen beruhen entweder auf objektiven Messungen oder auf subjektiven Beurteilungen durch Probanden. Eine ausschließliche Differenzierung von Produkten über solche Prozentangaben reduziert aber die Vielfalt von möglichen Anknüpfungspunkten für die Werbung und suggeriert außerdem eine Vergleichbarkeit unterschiedlicher Formulierungen.


Die Wirksamkeit einer Rezeptur lässt sich zwar durch Zahlenwerte definieren; die Resultate wissenschaftlicher Studien können allerdings auch visuell eindrucksvoll vermittelt werden. Da der Mensch seine Umgebung vor allem optisch wahrnimmt, gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung. Voraussetzung dafür sind moderne Messtechniken, die mit leistungsfähigen Bildanalyse-Verfahren gekoppelt sind. So lässt sich die übliche zweidimensionale Abbildung um eine Dimension erweitern, was der realen räumlichen Wahrnehmung des Menschen näher kommt. Noch eindrucksvoller ist schließlich die Animation solcher dreidimensionalen Darstellungen. Auf diese Weise lassen sich auch komplizierte Wirkmechanismen für die Werbung nutzbar aufarbeiten.

Wahrnehmung

Der Mensch registriert seine Umgebung durch seine so genannten fünf Sinne, wie sie Hans Makart Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Gemälde „Die fünf Sinne“ bildhaft dargestellt hat.


Abbildung 1: Die fünf Sinne, Gemälde von Hans Makart, 1872-1879

Darunter fasst man üblicherweise Gehör-, Geruchs-, Geschmacks-, Seh- und Tastsinn. Der Ablauf der menschlichen Wahrnehmung wird modellhaft in der so genannten Wahrnehmungskette beschrieben. Dieses Modell beschreibt die Verarbeitung von Reizen, die sich außerhalb des Menschen befinden; im Unterschied beispielsweise zu einer inneren Wahrnehmung wie dem Gleichgewichtssinn. Man spricht daher auch von einem „distalen Reiz“.

Die Bedeutung visueller Wahrnehmung in den Printmedien

Für die Registrierung distaler Reize sind die menschlichen Sinnesorgane zuständig. Deren Leistungsfähigkeit ist sehr verschieden. Entsprechend der evolutionären Historie als Jäger dominiert die visuelle Wahrnehmung. Mit den Augen kann der Mensch etwa 10 Mio. Bit aufnehmen, mit dem Tastsinn 1 Mio. Bit, während Gehör und Nase jeweils noch 100.000 Bit leisten; der Geschmackssinn schließlich nur 1.000 Bit. Diese zentrale Rolle der visuellen Wahrnehmung hat dazu geführt, dass die Werbung den Verbraucher in allererster Linie auf dieser Ebene zu erreichen versucht.

Nicht von ungefähr werden Anziehungspunkte in einer Werbeanzeige als Eye-Catcher bezeichnet. Und tatsächlich lässt sich über die Messung von Augenbewegungen bestätigen, dass bestimmte Teile eines Bildes intensiver betrachtet werden. Marketing-Agenturen greifen seit langem auf die Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie zurück. Dazu gehört die Tatsache, dass Gesichter die stärksten Eye-Catcher sind. Entsprechend nutzt man ein wahrscheinlich angeborenes Verhalten, das zur Gesichtererkennung den Blick zunächst auf die Augen und anschließend auf den Mund lenkt. Danach geht der Blick weiter nach unten. Diese Reihenfolge erfolgt schematisch und unwillkürlich. Daher werden vielfach zu bewerbende Produkte in der Nähe von Augen oder Mund in einer Anzeige platziert.

Für Kosmetika spielt das Wirkversprechen eine zentrale Rolle. Dessen Kommunikation hat sich im Verlauf der Zeit massiv verändert. Wurde der Effekt der Produkte noch vor einigen Jahren rein sprachlich vermittelt, ging man vor einigen Jahren dazu über, mit Prozentzahlen zur Beschreibung der erreichbaren Veränderungen zu arbeiten. Die so suggerierte Vergleichbarkeit von Produkten läutete eine Art von Wettlauf ein. Natürlich konnte kein Hersteller einen kleineren Prozentsatz ausloben als sein Wettbewerber. Also begannen die Hersteller, immer sensationellere Zahlen zu produzieren.

Diese Inflation der Prozentsätze war nur möglich, indem man sich von Ergebnissen objektiver Messungen löste. Die Auswertungen subjektiver Probandenbefragungen liefern oft Werte jenseits der 90 % Zustimmung. Ähnlich hohe Zahlenwerte liefern auch in vitro- Studien, mit denen beispielsweise eine Verdoppellung der Collagensynthese belegt werden kann (Abbildung 2).


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Abbildung 2:
Anregung der Collagen(I)-Synthese in einer Fibroblastenkultur; Wirkstoff Acetyl-Tetrapeptide-9 (DERMICAN™)

Diese Art der Werbung führt zwangsläufig in eine Sackgasse. Um sich langfristig vom Wettbewerb abzusetzen, müssen neue Wege gefunden werden. In einer Reihe von aktuellen Anzeigen in den Printmedien lässt sich eine Abkehr von den dramatischen Prozentwerten erkennen, die zunehmend – sofern überhaupt noch erwähnt – im Fließtext verschwinden.

Der Informationsgehalt bleibt stark reduziert, die Wirkung eines Pflegeprodukts wird aber durch eine ausgeprägte Visualisierung plakativer dargestellt

Moderne Visualisierungstechniken

Die prägnante Darstellung eines kosmetischen Effekts erfordert leistungsfähige Abbildungsverfahren und darauf aufsetzende Grafikprogramme. Im einfachsten Fall dokumentiert man die Wirkung durch Fotos zu Beginn und nach einer Applikation. Dabei sollten die Aufnahmebedingungen exakt definiert sein, der Lichteinfall identisch und hoch auflösende Digitalkameras verwendet werden. Auf diese Weise können beispielsweise Sofort- und Langzeiteffekte im Bereich um die Augen herum gut visualisiert werden. Bild gebende Verfahren können dazu verwendet werden, die Wirkung zu quantifizieren, aber auch, um sie noch stärker hervorzuheben (Abbildung 5).


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a) Vor Produktapplikation b) 2 Stunden nach Applikation eines Serums mit 10 % LIFTENSYL™
Abbildung 3: Visualisierung eines Soforteffekts über digitale Fotografie


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a) Vor Produktapplikation b) Nach zweimonatiger Applikation einer Creme mit 3 % PRODEJINE™
Abbildung 4: Visualisierung eines Langzeiteffekts über digitale Fotografie


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a) Vor Produktapplikation b) Nach zweimonatiger Applikation einer Creme mit 3 % PRODEJINE™
Abbildung 5: Visualisierung eines Langzeiteffekts über digitale Fotografie, kombiniert mit Bild gebendem Verfahren

Mit einer stärkeren Vergrößerung, beispielsweise durch eine Videolupe oder die Verwendung eines Konfokal-Lasermikroskops, kann genauer auf die Problemregion fokussiert werden (Abbildungen 6,7).


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a) Vor Produktapplikation b) Nach dreiwöchiger Applikation einer Creme mit 1 % MYOXINOL
Abbildung 6: Visualisierung der Reduzierung der Faltentiefe über eine Videolupe (25° Lichteinfall auf Replik)


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a) Vor Produktapplikation b) Nach vierwöchiger Applikation einer Creme mit 10 % VEGESERYL™ HGP
Abbildung 7: Visualisierung der Reduzierung der Faltentiefe über Konfokal-Lasermikroskopie

Eines der modernsten Verfahren zur Darstellung von Oberflächen ist FOITS (Fast Optical In vivo Topometry of Skin) (1). Mit diesem Verfahren lassen sich Hautoberflächenprofile genauso vermessen wie Hautoberflächen-Repliken und sogar Haare. Die Vorteile liegen in einer extrem kurzen Aufnahmezeit und einer berührungslosen Aufnahmetechnik, die Artefakte weitgehend ausschließt. Bei dem Verfahren wird ein Streifenmuster auf die Hautoberfläche projiziert. Die einzelnen Streifen bilden - abhängig von der Oberflächenstruktur - Knicke. Dieses modifizierte Streifenmuster wird über eine CCD-Kamera aufgenommen und zur Datenverarbeitung an einen Computer übertragen. Mit geeigneten Algorithmen lassen sich die Daten auf unterschiedlichste Weise in Digitalgrafiken umwandeln. Diese lassen sich beliebig einfärben und auch dreidimensional darstellen (Abbildung 8).


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A,B) 2D Oberflächendarstellung, vor bzw. nach achtwöchiger Applikation einer Creme mit 3 % SLIMFIT™ (Draufsicht)
C,D) 3D Oberflächendarstellung, vor bzw. nach achtwöchiger Applikation einer Creme mit 3 % SLIMFIT™ (Oberfläche)
E,F) Profildarstellung, vor bzw. nach achtwöchiger Applikation einer Creme mit 3 % SLIMFIT™
Abbildung 8: Visualisierung der Reduzierung von Orangenhaut durch FOITS

Mit Hilfe dieser Technik lässt sich beispielsweise die dreidimensionale Gestalt eines Fältchens im Augenwinkelbereich detailliert darstellen (Abbildung 9). Hierbei wurde am Rechner die Hautoberfläche grün und die Vertiefung des Fältchens blau eingefärbt. Unterschiedliche Auswertungen ermöglichen dann Einblicke in die Topographie dieser Hautstruktur, aus der man durch Herausrechnen auch isoliert das Fältchen aus unterschiedlichen Winkeln betrachten kann (2).




A: Draufsicht
B: Profil mit Volumen
C: Oberfläche
D: Vertiefung nach 90° Drehung
E: Asymmetrie nach 90° Drehung
Abbildung 9: Dreidimensionale Visualisierung eines Fältchens im Augenwinkelbereich durch FOITS

Digital verarbeitete Abbildungen erlauben schließlich mit geeigneter Software auch dreidimensionale Darstellungen, die sich animieren, also frei im Raum bewegen lassen. Diese Darstellungen sind besonders prägnant, weil sie der realen Wahrnehmung äußerst nahe kommen. Eine Darstellung objektiver Testergebnisse kann über die Printmedien hinausgehen und auch in der Werbung mit bewegten Bildern genutzt werden, wie z. B. im Fernsehen oder auf Videoscreens.

Die zweidimensionale Darstellung des komplizierten Aufbaus des elastischen Fasernetzwerks in der Dermis ist schwierig (3,4). Die dreidimensionale Animation, in der der Hautschnitt im Raum gedreht wird, ist ein wesentlicher Schritt zu einem verbesserten Verständnis dieser mikroskopischen Strukturen.

Abbildung 10: Dreidimensionale (animierte) Visualisierung des dermalen Fasernetzwerks

Ausblick

Die veränderte Werbung für Kosmetikprodukte erfordert eine Anpassung der Technologien, mit denen die Wirksamkeit von Pflegeprodukten dokumentiert wird. Moderne Visualisierungsverfahren dienen damit nicht mehr nur der verbesserten quantitativen Auswertung von Studienergebnissen, sondern auch einer überzeugenderen Präsentation gegenüber dem Verbraucher. Laboratoires Sérobiologiques bauen diese Kompetenz in der eigens gegründeten Abteilung „Advanced Imagery & Multimedia“ weiter aus. So können bereits eindrucksvolle dreidimensionale Animationen von dermalen Detailstrukturen und sogar einzelnen Zellen erstellt werden. Diese eignen sich zur allgemeinverständlichen Aufarbeitung auch sehr wissenschaftlicher Themen und können zur Glaubwürdigkeit der Kosmetikhersteller beitragen.

Hinweise:

Dermican, Liftensyl, Prodejine, Myoxinol, Vegeseryl HGP und Slimfit sind Handelsmarken der Cognis Gruppe.

INCI-Bezeichnungen:
DERMICAN™ Aqua (and) Glycerin (and) Acetyl Tetrapeptide-9
LIFTENSYL™ Soy Protein Phthalate
PRODEJINE™ Mannitol (and) Cyclodextrin (and) Yeast Extract (and) Disodium Succinate (US) Mannitol (and) Cyclodextrin (and) Faex Extract (and) Disodium Succinate
MYOXINOL™ Hydrolyzed Hibiscus Esculentus Extract (and) Dextrin
VEGESERYL™ HGP Glycine Soja Protein
SLIMFIT™ Cecropia Obtusa Extract

Ein Vortrag mit dem Titel „Augen-Blicke: Wahrnehmung, Messung und Visualisierung kosmetischer Effekte“ wurde vom Autor anlässlich der 54. SEPAWA Congress and European Detergents Conference, in Würzburg (10.-12. Oktober 2007) gehalten.

Literatur:

1. Rohr M, Brandt M and Schrader A, Skin surface-claim support by FOITS. SÖFW Journal,
126, 8, 2-11, (2000).
2. Vazquez Duchene, Gillon V, Freis O, Perie G, Gauche D, Zambaux MF, Pauly G, Cosmetic Science Technology, 96-98 (2004).
3. Jeanmaire C, Danoux L and Pauly G, British Journal of Dermatology, 145, 10-18, (2001).
4. Contet-Audonneau JL, Jeanmaire C and Pauly G, British Journal of Dermatology, 140, 1038-1047, (1999).

Autoren

Dr. Torsten Clarius *, Olga Freis PhD**, Dominique Gauché**, Marie-Danielle Vazquez-Duchêne PhD**, Marie-France Zambaux PhD**, Gilles Pauly M.D.** and Andreas Rathjens PhD**

(*) Cognis GmbH, Henkelstrasse 67, D-40551 Düsseldorf, Phone: +49 (0) 211 7940 7472, Fax: +49 (0) 211 2006 17472
(**) Laboratoires Sérobiologiques, Division de Cognis France, 3, rue de Seichamps, F-54425 Pulnoy, Tel: +33 (0)3 83 29 08 02, Fax : +33 (0)3 83 21 12 15

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