Ausgabe 46 — Juni 2010
   

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Ausgabe 46        
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Bericht aus der Wissenschaft  

Hautpflege und gutes Tragegefühl durch Textilien: Wet Dryer Sheets

  Markus Doerr

In den letzten Jahren haben sich die tägliche Körperpflege und die Gewohnheiten beim Wäschewaschen verändert. Die Verbraucher interessieren sich immer mehr für neue Konzepte, die über das blosse Wäschewaschen hinausgehen und für Textilien, die auch die Haut pflegen. Verbraucher wünschen sich Bekleidungstücke, die nach dem Waschen nicht nur frisch und sauber sind, sondern die selbst nach vielen Waschvorgängen wie neu aussehen, ihre ursprüngliche Farbe behalten und vor Verschleiß schützen. Sie achten aber auch darauf, dass ihre Haut geschützt wird, in dem sie zu Produkten greifen, die besonders mild sind oder eben eine zusätzliche pflegende Wirkung auf die Haut ausüben und somit ein Gefühl von individuellem Wohlbefinden erzeugen.

Mit den Wirkstoffen, die bisher in Waschmitteln wie z.B. in Weichspülern und Trocknertüchern eingesetzt wurden, konnte dieser Anspruch bisher nicht ganz erfüllt werden. Daher wurde ein neues, innovatives Konzept entwickelt, das auf der Grundlage eines feuchten Trocknertuches („Wet Dryer Sheet“) beruht, dem spezielle Additive zugesetzt werden. Es handelt sich um eine neuartige Technologie, mit der Substanzen auf den Stoff abgegeben werden. Die Textur des Stoffes wird so verändert und eine angenehmere, weniger raue Oberfläche und damit mehr Wohlbefinden erzeugt.

Vorteile von Wet Dryer Sheets


Verschiedene Methoden sind verfügbar, um Substanzen aufzubringen, die Textilien beim oder nach dem Waschvorgang nützen: Additive wie optische Aufheller können während des Waschzyklus transferiert werden; andere Substanzen wie flüssige Pflegesubstanzen (Weichspüler) werden beim Spülvorgang abgegeben und eine dritte Gruppe, die auch die normalen Trocknertücher mit einschließt, gibt die Substanzen beim Trockenvorgang im Wäschetrockner ab. Aus chemischer Sicht sind die letzteren beiden generell nur aus kationischen Bestandteilen zusammengesetzt, da diese eine große Affinität zu Textilien besitzen. Die Substanzen bewirken bei Textilien in erster Linie, dass sie weich werden und frisch duften. Darüber hinaus haben sie einen antistatischen Einfluss.

Ein spezielles Wachs ist Plantatex (1), das hautähnliche Eigenschaften besitzt und beim Trocknen im Wäschetrockner neue Möglichkeiten eröffnet. Es beruht auf dem Wet Dryer Sheet-Konzept und ist mit speziellen sensorischen Bestandteilen oder anderen „Wirkstoffen“ impregniert.

Eine Einbettung von Inhaltsstoffen in einer Flüssigmatrix hat mehrere offensichtliche Vorteile:

a) Eine durch Diffusion kontrollierte Verteilung von Wirkstoffen beim Trockenvorgang im Wäschtrockner ist im Gegensatz zu herkömmlichen Trocknertüchern, die nur bei Berührung Substanz auf dem Stoff lassen, sehr gleichmäßig. Dies wurde mit farbigen Additiven gezeigt.
b) Es können nun in Textilien auch nicht-kationische Verbindungen wie nicht-ionische Weichspüler, Insektenschutzmittel, UV-Filter oder Deodorantien zum Einsatz kommen. Auch knitterfreie Stoffe kommen hier infrage.
c) Zusätzlich zu den Komponenten, die Textilien positiv beeinflussen, können Substanzen eingesetzt werden, die anschliessend auf die Haut gelangen. Diese können hautpflegende Substanzen, Lipidschichtverstärker, Mittel zur Verlangsamung des Haarwuchses, Vitamine, Emollients oder Botanicals sein.

Wachskristalle zur Verbesserung der Textilpflege

Plantatex, der erste Wirkstoff für Wet Dryer Sheets auf dem Markt, basiert auf einem neuen Fabric Care-Konzept und transferiert während des Trockenvorgangs im Wäschetrockner Wachskristalle auf Textilien. Wenn das Wasser verdampft und die Temperatur ansteigt, schmelzen die Wachskristalle und bilden eine gleichmäßige Schicht um die Fasern und sorgen dafür, dass der Verbraucher ein Wohlgefühl empfindet (siehe Abbildung 1).



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Abbildung 1: Pflegende Wachskristalle unmittelbar nach Anwendung - vor Hitzeaktivierung (links) und nach Hitzeaktivierung (rechts)

Textilien, die mit diesem Produkt behandelt werden, verfügen im Vergleich zu den herkömmlichen kationischen Weichspülern über erstaunliche Eigenschaften. Während viele Kunden zurückhaltend sind in der Anwendung von Weichspülern, weil sie negative Erfahrung damit gemacht haben, führen die durch Wärme aktivierten Wachskristalle zu einem sehr angenehmen Hautgefühl. Darüber hinaus haben die kationischen Quats den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie Textilien nach der Behandlung wasserabstossender machen, was sie für Handtücher oder Sportartikel unbrauchbar macht. Die durch Wärme aktivierbaren Wachskristalle dagegen sorgen dafür, dass Textilien mehr Wasser absorbieren. Das klingt zwar angesichts des hydrophoben Charakters der Wachse überraschend, die hydrophilen Eigenschaften des behandelten Stoffes sind jedoch dadurch erklärbar, dass die hydrophilen Teile der Dispergiermittel weiterhin auf der Wachsoberfläche verbleiben. Ein weiterer Nutzen ist ein reduzierter Abnutzungseffekt aufgrund einer Lubrikationswirkung, die die Faser schützt und der Kleidung ein angenehmes Tragegefühl verleiht.

Häufiges Waschen und Trocknen führt zu einer Ausbleichung der Farben oder bei dunkler Bekleidung zu Vergrauungen. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass es beim Wasch-/ Trockenvorgang durch Reibung zu einer Abscheuerung der Mikrofasern von den Hauptfasern kommt. Nach einer Weile verändern diese Mikrofasern die Lichtreflektion so, dass schwarze Stoffe grau erscheinen. Wenn ein Wet Dryer Sheet mit Wachskristallen benutzt wird, kann dieser Effekt vermieden werden, denn die Mikrofasern werden durch das geschmolzene Wachs wieder an die Hauptfaser „angeklebt“. Das Ergebnis ist ein Stoff, der selbst nach wiederholtem Waschen und Trocknen wie neu aussieht.

Textilien mit hautpflegenden Eigenschaften

Wet Dryer Sheets können auch Komponenten enthalten, die vom Stoff auf die Haut migrieren. Cognis nutzt beispielsweise einen Lipidschichtverstärker, der Emollients und natürliche Lipide enthält, die mit denen in der Haut identisch sind. Bei Kontakt wird der Lipidschichtverstärker vom Stoff auf die Haut transferiert. Sobald er vom Wet Dryer Sheet auf den Stoff und von dort weiter auf die Haut transferiert wurde, konnte gezeigt werden, dass die Feuchtigkeitszufuhr auf die Haut signifikant, von 1 µg auf 5 µg pro cm² anstieg. Bei getragener Kleidung, die so behandelt wurde, kam es zu quantifizierbaren und sichtbaren positiven Wirkungen.

Mittels der FOITS-Methode (Fast Optical In-vivo Topometry of Human Skin) läßt sich demonstrieren, wie Hautrauigkeit reduziert werden kann (siehe Abbildung 2). Andere Methoden wie die MRI-Methode (Magnetresonanztomographie) zeigen ebenfalls einen erhöhten Feuchtigkeitsgehalt in der Haut.



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Abbildung 2:
FOITS-Messung: Unbehandelte Haut (links) und Haut mit Lipidschichtverstärker (rechts)

Durch normale Trocknertücher kann keine dieser Wirkungen erzielt werden, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, dass sie das Produkt nur unregelmäßig auf dem Stoff verteilen und dass sie es nicht in ausreichender Menge abgeben können. Wet Dryer Sheets derselben Größe können die 20-fache Menge an Substanz aufnehmen. Weiterhin haben Wet Dryer Sheets im Gegensatz zu üblichen Weichspülern den Vorteil, dass sie alle Aktivsubstanzen, unabhängig von deren elektrischer Aufladung, auf das Textilgewebe abgeben, selbst Substanzen, die normalerweise im Spülgang ausgewaschen werden.

Schlußfolgerung

Bei den Wet Dryer Sheets handelt es sich um ein innovatives Konzept für den effektiven Transfer von Substanzen auf Stoffe. Sie bieten einen Mehrwert, den derzeit erhältliche Produkte nicht aufweisen können. Aufgrund ihrer speziellen Technologie sind die Textilien angenehm zu tragen, sind vor Verschleiß geschützt, und die Farben bleiben länger frisch. Weiterhin können sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Darüber hinaus können Wet Dryer Sheets auch hautpflegende Wirkstoffe enthalten, die bei empfindlicher Haut einen Schutz bieten, was den Herstellern ermöglicht, spezifische Kundenbedürfnisse zu erfüllen.

Hinweis

1. INCI Name Plantatex HCC: Glycol Distearate (and) Coco Glucoside (and) Glyceryl Oleate (and) Glyceryl Stearate

2. Ein Artikel mit dem Titel „Wet Dryer Sheets: For textiles that look and feel good ”wurde vom Autor in Household and Personal Care Wipes/ Spring 2010, 18-21 veröffentlicht.

Autor



Dr. Markus Doerr promovierte in Chemie 1986 an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Nach mehrjähriger Tätigkeit im Bereich Reaktivfarbstoffe bei Sandoz in der Schweiz wechselte er 1994 in die USA und übernahm dort Führungspositionen in Forschung und AWT Fabric Care bei Clariant (North Carolina), Witco (Ohio), Goldschmidt (Ohio), Evonik (Virginia) und kam schließlich als Direktor der Anwendungstechnik NAFTA für Home und Personal Care 2003 zur Cognis Corporation (Pennsylvania). Seit 2010 ist er bei der Cognis GmbH in Düsseldorf Leiter der globalen Forschung im Bereich Home und Personal Care.


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