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Gastbeitrag  

Anti-Aging - Wo stehen wir? Theorien und Hypothesen zur Hautalterung

 

Petra Huber und Karin Hess


Abstract
In dieser Arbeit werden aktuelle, in der Literatur häufig zitierte Theorien über Hautalterungsprozesse vorgestellt. Bis heute sind mehr als 300 molekularbiologische Mechanismen beschrieben, die das menschliche Altern zu erklären versuchen. Einige dieser Mechanismen beeinflussen nicht nur evidenz-basierte und individuelle Behandlungsansätze in der Anti-Aging Medizin, sondern auch Kosmetikkonzepte. [1], [2], [3]

Am meisten diskutiert und wissenschaftlich etabliert sind die Theorie der freien Radikale (ROS), der mitochondrialen Dysfunktion, der veränderten Hormonspiegel und die Telomertheorie. Die Theorie der Glykierungsprozesse (AGE’s) ist in der Medizin vor allem durch die Folgen von Diabeteserkrankungen bekannt und bietet ein interessantes Potential für die Kosmetik.

Einführung
Der Wissenschaftler Leonhard Hayflick entdeckte in den 60er Jahren, dass menschliche Zellen wie z.B. Fibroblasten in Zellkulturen nur eine definierte Lebensdauer aufweisen und sich nicht unendlich oft teilen, wie dies pluri- resp. unipotente Stammzellen tun (sog. „Hayflick“-Phänomen) [3]. Die Ursachen liegen im Erbmaterial der Zellen. Diese Schicksalsgläubigkeit wird heute abgelöst durch Thesen, dass die in Genen kodierten „Alterungsprogramme“ heute von äusseren Faktoren mitbestimmt werden. Entsprechend hoch sind die Erwartungen in der Kosmetik, vorerst mit Signalmolekülen in diese Regelkreise eingreifen zu können. „Kosmetische Gentherapie“ bleibt hingegen ein Wunschtraum [2].

Gemeinsam sind sowohl der modernen Anti-Aging Medizin, mit für den Klienten angepassten individuellen Behandlungsansätzen, als auch der klassischen Altersforschung, welche allgemeingültige, so genannt evidenz-basierte Ansätze abzuleiten sucht, wie ein Organismus schonender oder sogar weniger schnell altert [4]. Der moderne Zeitgeist mit seinen Erwartungen an Schönheit und Gesundheit hat zur Wiederentdeckung des prophylaktischen Gedankens stark beigetragen und die hohen Ansprüche eines „Anti-Aging“ zumindest in sprachlichen Begriffen wie „Better-„ oder „Smart-Aging“ relativiert. Äusserst optimistisch zeigen sich Transhumanisten, welche sich um den britischen Biogenetiker und Altersforscher Aubrey de Grey gruppieren [3]. Sie erhoffen sich in naher Zukunft, dass die naturwissenschaftlichen Fortschritte den alten Menschheitstraum ermöglichen, den Alterungsprozess anhalten zu können, resp. die Krankheit „Altern“ zu bekämpfen. Bis es soweit ist, verfügen die experimentierfreudigen (und finanzkräftigen) Transhumanisten, dass sie nach deren Tod in Thermos-Tanks mit flüssigem Stickstoff konserviert werden.

Die Aussagen diverser Marktforschungsinstitute, durch die Marktstrategien von kleinen und grossen Kosmetik-Firmen bestätigt, zeigen, dass das Marktsegment Anti-Aging in den letzten Jahren global die höchsten und z.T. überproportionale Wachstumsraten im Kosmetiksektor aufweist. Demographisch wird der Umsatz an Produkten mit Anti-Aging Auslobungen durch die wachsende Bevölkerungsgruppe der über 50-Jährigen (Generation 50+, „Best Ager“) gefördert. Aber auch bei der jüngeren Generation soll das Interesse an solchen Produkten zugenommen haben. [5], [6]

Merkmale reifer Haut (Hautalterung)
Der Alterungsprozess ist multifaktoriell. Die typischen, sicht- und messbaren Merkmale reifer Haut sind unterschiedlichen Ursprungs und sind in der Literatur ausführlich beschrieben worden. [7], [8]

Allgemein weist die gealterte, reife Haut einen Elastizitätsverlust und Falten auf. Die dermo-epidermale Verbindungszone wird im Alter abgeflacht. Die intrinsische Hautalterung führt eher zu verdünnter, atrophischer Haut. Feine Fältchen und durchscheinende Blutgefässe sind charakteristisch. Die Trockenheit ist auf die qualitative und quantitative Abnahme der Hautlipide zurück zu führen. Diese Haut neigt durch die gestörte Barrierefunktion vermehrt zu Irritationen und Rötungen. [9]

Extrinsische Reizfaktoren führen zu einem erhöhten Zellmetabolismus in der Hornschicht, so dass es zu unregelmäßiger Verhornung des Stratum corneum führt. Eine unebene Hautoberfläche mit gelblichem Hautton ist die Folge. Diese lederartige Haut entwickelt an sonnenexponierten Stellen Altersflecken und unregelmäßige Pigmentflecken. UV-Strahlung löst unter anderem eine erhöhte Enzymaktivität der Matrix-Metalloproteinasen (MMP) aus. Bereits ein Zehntel der minimalen Erythemdosis (MED) induziert eine höhere Aktivität dieser kollagen- und elastinabbauenden Enzyme [10]. Markantere Faltenzüge und die „Elastosis cutis“ prägen ein vorwiegend extrinsisch gealtertes Gesicht. Gewebeinfiltrat weist auf Entzündungsprozesse hin.

Abbildung 1: Visuelle Darstellung der Hautveränderungen im Verlauf des Lebens (Skin Care Forum 39)


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Was die aufmerksamen Kosmetik-Verwender und Verwenderinnen schlussendlich nebst den Falten wahrnehmen können: Die Haut wird als Folge davon ab dem 40. Lebensjahr jedes Jahr um 1 Prozent dünner, die Spannkraft der Kollagen- und Elastinfasern nimmt um 2 Prozent ab. [2]

Theorien und Hypothesen zur Hautalterung
Die Alterungsmerkmale der Haut sind die Folge intrinsischer und vor allem extrinsischer Ursachen. Die meisten der unten aufgeführten Theorien sind intrinsischer Natur und bestimmen den Takt der „biologischen Uhr“. Als Grenzfläche ist Haut den Alterungsprozessen durch extrinsische Faktoren (vor allem durch zusätzliche Belastung durch ROS) mehr als jedes andere Organ ausgesetzt. Diese können die intrinsischen Vorgänge beschleunigen. Die Alterungsprozesse sind die Folge von komplexen Abläufen, deren Ursache-Wirkung nicht ausschliesslich intrinsischer oder extrinsischer Natur sein dürfte. Dies macht die Hautforschung zu diesem Thema umso spannender und lässt auf weitere Erkenntnisse, z.B. zu den molekularen Kommunikationsprozessen der Hautzellen untereinander, hoffen. Alle Fortschritte könnten implizieren, dass der Alterungsprozess der Haut in Zukunft nachhaltig nicht nur durch Verhaltensmassnahmen beeinflusst werden kann.

Die Forschungserkenntnisse, von der eingangs zitierten Aussage von Leonhard Hayflick in den Sechzigerjahren bis heute, dass Altern im Extremfall eine Krankheit darstellt, respektive „die Anhäufung von ungünstigen und nachteiligen Änderungen, die das Todesrisiko erhöhen“ [11], lassen erahnen, dass die biologische Komplexität des Alterns weitere intensive Forschungsjahre auf dem Gebiet aller Lebenswissenschaften (Life Sciences) erfordern wird.

Die Publikation konzentriert sich in der Reihenfolge der Nennung der Theorien auf deren Relevanz sowohl in der Anti-Aging Medizin als auch in der Kosmetik-Industrie.

The theory of free radicals (ROS = Reactive Oxygen Species)
In dieser bekanntesten Theorie wird davon ausgegangen, dass der Organismus ständig freien Sauerstoffradikalen ausgesetzt ist. Freie Radikale sind unvollständige hochreaktive Moleküle, die auf der Suche nach Vollständigkeit intakten Molekülen Elektronen rauben und dadurch Zellmembranen, Chromosomen und Gewebe schädigen können.

Freie Radikale entstehen natürlicherweise bei der mitochondrialen Zellatmung und können durch äussere Einflüsse wie Ozon, Nikotin, oder Stress begünstigt werden, [12]. Die menschliche Haut hat im Laufe der Evolution Schutzmechanismen gegen ROS entwickelt. Enzyme wie Superoxid-Dismustase, Katalase, Gluthation Peroxidase wirken als Radikalfänger und können oxidative Schäden minimieren. Im Alter nehmen die Anpassungsfähigkeit und die Reaktion dieser Schutzmechanismen ab, das Gleichgewicht zwischen den pro- und anti-oxidativen Systemen wird mit dem Alter verändert; es entstehen vermehrt Zellschäden durch ROS. Dies wird auch oxidativer Stress genannt. Die durch freie Radikale induzierten Oxidationsreaktionen treffen vor allem ungesättigte Fettsäuren, die Bestandteile der Membranphospholipide sind. Die Zellmembran wird geschädigt, intrazelluläre Komponenten und dadurch Funktionsfähigkeit gehen verloren. Die Lipide werden von den Radikalen so verändert, dass sie selbst als Radikale zu wirken beginnen. So startet eine Kettenreaktion, die nur durch Antioxidantien unterbrochen werden kann.

Im Bindegewebe wird Kollagen oxidiert, Hyaluronsäure wird depolymerisiert. Somit entstehen in der Dermis degenerative pathologische Veränderungen [14]. Bei nicht abgewendeten Radikalen „sammelt“ der Körper immer mehr ROS-induzierte Schäden, die mit der Zeit eine Vielzahl von Körperfunktionen beeinträchtigen. Übermässige UV-Strahlung fördert zusätzlich die Ausschüttung von Signalmolekülen wie Zytokine. Diese bringen u.a. eine chronische Entzündungskaskade in Gang mit einer Erhöhung der Mastzellenkonzentration im Bindegewebe [2]. Die Folge davon kann z.B. eine erhöhte Ausschüttung von Enzymen wie die Elastase sein, die das Gerüst von Matrixproteinen angreift. Als kosmetischer Schutz vor freien Radikalen dienen vor allem Antioxidantien wie Vitamine und polyphenolische Verbindungen (Traubenkern-, Grüntee-Extrakte usw.).

Die Theorie der mitochondrialen Dysfunktion
Diese Theorie hängt eng mit der Radikaltheorie zusammen. Mitochondrien gelten als „molekulare Uhren“, deren hohe Mutationsrate der mtDNA (messenger, transfer DNA) respektive der nRNA (nuclear RNA) als lebensbegrenzend gilt. [16] [17]

Die Hauptaufgabe der Mitochondrien ist die Bereitstellung von ATP durch die zelluläre Atmung, sie sind die Energiezentralen jeder Zelle. Bei diesem Prozess werden Elektronen transportiert, aus denen freie Radikale entstehen. Bei überforderten Neutralisierungsprozessen können in der mitochondrialen DNA Mutationen hervorgerufen werden. Funktionelle Störungen der Mitochondrien tauchen auf, der Antrieb für den Zellmetabolismus bricht zusammen. Dadurch werden ebenfalls Enzymaktivitäten der Matrix-Metalloproteinasen (MMP) gefördert, die das dermale Kollagen abbauen und in erhöhter Menge die Hautalterung beschleunigen.

Die Rolle der Veränderung der Hormone
Bei dieser Theorie des Alterns wird angenommen, dass Hormone den Alterungsprozess entscheidend beeinflussen. Hormone sollen die Aktivitäten aller Enzyme im Körper regulieren, die zur Reparatur, zellulären Schadensbewahrung oder zur Schadensbeseitigung erforderlich sind [18]. Im Alter nimmt die Konzentration bestimmter Hormone im Körper ab. Drastisch verändert sich der Hormonhaushalt bei der Frau während und nach der Menopause, aber auch bei alternden Männern verändern sich die Hormonspiegel (Andropause). Die Hormontheorie geht davon aus, dass der Mensch wegen des sinkenden Hormonspiegels altert. Wichtige Hormone, die mit fortschreitendem Alter abnehmen, sind die Sexualhormone wie Östrogene und Androgene, aber auch Hormone wie Melatonin, das Nebennierenhormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) und weitere Wachstumshormone wie Somatotropin.

Die hormonelle Hautalterung führt zu Veränderungen der Epidermis und der Dermis. So treten im Alter vermehrt Hauttrockenheit und eine Abnahme der Epidermisdicke bis zu 50 % respektive bis zu 30 % bei der Dermisdicke auf.

Die hormonellen Änderungen bei der Hautalterung haben eine direkte Wirkung auf die Haut und werden in der Dermatologie mit oraler oder lokal-topischer Substitution beeinflusst. So kann unter Umständen z.B. die systemische Östrogensubstitution zu einem leicht erhöhten Mammakarzinomrisiko und Testosteron und DHEA zu einer Erhöhung des Prostatakarzinomrisikos führen [3].Bei der Substitution mit Melatonin liegen bisher keine positiven Wirkungen für die Haut vor.

Die Telomertheorie
Jede Zellteilung setzt die exakte Replikation der DNA voraus. Dabei spielen die an der DNA angelagerten Endkappen, Telomere genannt, eine entscheidende Rolle. Sie funktionieren wie Schutzkappen an den Chromosomenenden oder als eine Art „Schutzumschlag eines Buches“. Bei der Replikation der DNA kann diese nicht bis ganz zu den äußeren Enden abgelesen werden. Somit entsteht bei jeder Zellteilung eine Verkürzung um diese Telomer-Bereiche. Nach zahlreichen Zellteilungen erreicht der ablesbare Bereich der DNA eine kritische Länge, und der Zellteilungsvorgang dieser Zelle muss eingestellt werden [3]. Durch das Enzym Telomerase können die Telomere repariert und verlängert werden; leider enthalten auch Krebszellen dieses Enzym; somit bleibt die Zelle endlos teilungsfähig [3]. Auch regelmässige Bewegung soll gemäss der Universität Homburg (D) den Prozess der Telomere bremsen. Weil sich die drei US-Wissenschaftler (Carol W. Greider, Jack W. Szostak, Elizabeth Blackburn) damit auseinander setzen, wie die Zellalterung in Zusammenhang mit den Telomerasen aufgehalten werden könnte, wurde ihnen 2009 der Nobelpreis für Medizin verliehen.

Die Theorie der Glykierung resp. Glykation
Bei dieser Theorie wird Glucose für die sich im Alter häufenden starren Kollagenverbindungen verantwortlich gemacht. Bei der Glykierung verbinden sich die vom Körper nicht verwerteten Zuckermoleküle wie Zuckeraldehyde oder -ketone in einer nicht-enzymatischen Reaktion mit dem freien Aminosäurenende Lysin der Kollagenfasern der Dermis (sog. Cross-linking). Über zwei Reaktionsschritte führt dies zu irreversiblen Endprodukten, sog. AGE’s (advanced glycation end products). Diese führen zu allmählichen Versteifungen und Verlust von Spannkraft und Elastizität der Haut, Blutgefässe und weiteren Proteinarten. Bei der Entstehung von AGE’s spielen bei einem Reaktionsweg oxidative Prozesse eine Rolle. Deshalb wirken im allgemeinen Antioxidantien auch hemmend auf die Entstehung dieser Endprodukte. Für weitere mögliche Angriffspunkte in der Reaktionskaskade werden in der Medizin resp. experimentellen Biochemie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Aminoguanidin, Vitamin der B-Gruppe und weitere eingesetzt [3].

Abbildung 2: Die verschiedenen Reaktionsstufen, welche zur Bildung von AGE’s führen [22] (Abbildung mit Genehmigung des Cosmetics & Toiltries Magazine)



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Welche Anti-Aging-Konzepte sind für die Kosmetik interessant?
Die Umsetzung der beschriebenen Theorien in die kosmetische Sprache ist sehr vielfältig. Basierend auf den Erkenntnissen aus der Hautforschung haben sich vielfältige Ansätze für Anti-Aging-Wirkstoffe etabliert, und es werden Anregungen für zukünftige Produktentwicklungen und -lancierungen gemacht. Aus gesetzlichen Gründen sind bestimmte Behandlungskonzepte allein (noch) dem Gebiet der Dermatologie überlassen.

Lokal applizierte kosmetische Wirkstoffe müssen primär eine ausgezeichnete Verträglichkeit haben, toxikologisch sicher sein und keine weiteren systemischen Nebenwirkungen aufweisen. Deshalb beschränkt sich der aktuelle kosmetische Wirkungskreis auf Schutz, Aktivierung und Regulierung der Haut-(Stamm-)zellen sowie Optimieren eines gesunden Hautmilieus. Essentielle Baustoffen können topisch-lokal oder über den oralen Weg zugeführt werden. (Nahrungsergänzungsmittel oder funktionelle Lebensmittel wurden durch die Kosmetik-Industrie ebenfalls entdeckt. Zusammen mit ausgewählten Nahrungsmitteln, die reich an biologischen Aktivstoffen sind, stellt dies eine sinnvolle ergänzende Anti-Aging Massnahme dar.) Dazu bietet heute eine ganze Auswahl an natürlich und synthetisch gewonnenen kosmetischen Wirkstoffen, wie innovative und interessante Beispiele zeigen, ein gute Alternative gegen Zeichen der Hautalterung, bevor Massnahmen der ästhetischen Dermatologie eingesetzt werden müssen. Aktuelle Forschungen sollten zusätzlich den Fragen nachgehen, wie die Haut als geschlossener Regelkreis (Homöostase) auf äußere Veränderungen, positiver wie auch negativer Art, reagiert respektive ob Wirkstoffe besser einzeln oder als Wirkstoffkomplex mit sich ergänzenden Angriffsmechanismen appliziert werden sollen.

Anti-Aging-Wirkstoffe werden je nach Autorensicht in Generationen eingeteilt [9]. Eine Auswahl findet sich in Tabelle 1. Diese Einteilung, ähnlich der pharmazeutischen Arzneistoff-Forschung, folgt einer chronologischen Entwicklung, die mit den Fortschritten in der Hautforschung einhergeht und entspricht somit nur einer Momentaufnahme des jeweiligen Marktes. Selbstredend sind die Wirkstoffe aus der ersten Generation am besten untersucht. Es existieren im idealen Fall evidenzbasierte Aussagen, die sich auf doppelblinde, placebo-kontrollierte Wirksamkeitsstudien stützen.

Tabelle 1: Anti-Aging Wirkstoffe (nach [9])

Erste Generation

Vitamine A, C, E
Coenzym Q10
Alpha-Liponsäure
Flavonoide
Phytoöstrogene

Zweite Generation

Wachstumsfaktoren
Kupfertripeptide
Palmitoyl-Pentapeptide
N6-Furfuryladenine

Dritte Generation

DMAE
Acetyl-Hexapeptide 3


Nachfolgend werden einige Wirkstoffgruppen mit ihrem Wirkprinzip als Beispiele näher erläutert (nicht wertend!). Aufgrund der erwähnten Theorien und Hypothesen der Hautalterung gibt es verschiedene Möglichkeiten und Angriffspunkte für Anti-Aging-Wirkstoffe. Die Wirkstoffe können sowohl präventiv wirken, als auch vorhandene sichtbare Alterserscheinungen mildern. Es kann durchaus ein Vorteil sein, wenn der gleiche Wirkstoff auf verschiedenen molekularen Ebenen einwirkt. Trotzdem werden in der Kosmetik praktisch in allen Formulierungen eine Kombination von mehreren Wirkstoffen synergistisch genutzt und entsprechend ausgelobt.

Eine grosse, gut untersuchte Wirkstoffgruppe sind die Antioxidantien. Vitamine wie z.B. Tocopherol (Vitamin E) oder Retinoide (Vitamin A) sind in der Lage, freie Radikale in eine weniger aggressive Molekülform zu überführen und so die Haut zu schützen.

Ein besonderes Antioxidans ist das Coenzym Q10, kurz CoQ10 oder Ubichinon genannt. Mit dem Alter nimmt der CoQ10 Gehalt in den Zellen ab. In in vitro Studien wurde bewiesen, dass topisch appliziertes CoQ10 die Zellen vor UV-A induzierten DNA Schäden schützt, körpereigenes Glutathion schont und die Ausschüttung von Kollagenase unterdrückt. Wird dem Körper genügend Ubichinon zur Verfügung gestellt, unterstützt es die Produktion von Vitamin E und kann durch Radikale inaktivierte Formen wieder aktivieren [3].

Eine weitere wichtige Wirkstoffgruppe für die Anwendungen in kosmetischen Formulierungen sind die Peptide. Als Peptide gelten alle Verbindungen die aus Aminosäuren (AS) bestehen. Aufgrund der Anzahl miteinander peptidisch verknüpfter Monomere, werden diese Oligopeptide mit Di-, Tri-, Penta- usw. bezeichnet. Bei den in der Anti-Aging Kosmetik eingesetzten Peptiden werden Signalpeptide und Neurotransmitter-Blocker Peptide unterschieden. Die Signalpeptide ahmen Proteinsequenzen aus Kollagen- und Elastinstrukturen nach. Dadurch stimulieren sie die Produktion von neuem Kollagen und Elastin.

Die zweite Kategorie der Peptide können die Neurotransmission blockieren und wirken dadurch muskelrelaxierend („botox-like“). Als Beispiele werden Sojapeptide ausgelobt, weitere Amino-Peptidkomplexe und auch das Neurotransmitter- hemmende Peptid Acetyl Hexapeptide-8. Weitere für die Kosmetik interessante Wirkstoffe sind Glykierungshemmer, wie z.B. das Dipeptid Carnosin oder Aminoguanidin. Letzteres zeigte eine signifikante Reduktion der Quervernetzung von Zuckern und Proteinen allerdings nur in vitro [22] oder bei oraler Einnahme. In Tierstudien wurde gezeigt, dass Gruppen, die Aminoguanidin als Nahrungsergänzung erhielten, im Alter noch gleiche elastische Gewebestrukturen aufwiesen, wie Junge [3]. Die genauen Vorgänge bei der Verhinderung der Glykierung vom chemischen Stoff Aminoguanidin sind noch nicht restlos geklärt.

Ausblick
Der Mega-Trend Gesundheit wird weitere wichtige Impulse auch in den nächsten Jahren für die Kosmetikbranche bringen und von grossem wirtschaftlichen Interesse sein.

Das aktuelle Verständnis über Alterungsmechanismen spiegelt sich wider in den Wirksamkeitstests der Rohstoff-Produzenten und in den gemachten Auslobungen und Werbebotschaften der Kosmetik-Industrie. Sowohl Grundlagen- wie auch angewandte Hautforschung werden weitere Potentiale für Wirkstoffe und deren Applikationsformen ermöglichen. Neue (oder wieder entdeckte) Wirkstoffe werden isoliert oder synthetisiert, deren Wirksamkeit mit immer spezifischeren Zellkulturentests in-vitro überprüft werden können. Der Trend nach natürlichen Substanzen zu forschen, wird durch solche Hautmodelle oder organotypischen Modelle kosteneffizient unterstützt. Gilt es doch in kurzer Zeit eine grössere Anzahl an Wirkstoffen auf deren „Anti-Aging“ Eignung zu untersuchen. Innovative Wirkstoffe, kombiniert mit einer idealen Grundlagenformulierung, die die Penetration und den Schutz der Wirkstoffe gewähren, werden weiterhin für Nachschub in der Anti-Aging-Produktpipeline sorgen. Gleichzeitig wird auch die Anforderung an die Grundlagenformulierung resp. die begleitenden Hilfsstoffe („Functionals“) zunehmen, um nebst einer guten Penetration auch zielgerecht die Wirkstoffe abzuliefern („Target“), zu nehmen.

Nebst einem kreativen Produktkonzept werden auch entsprechende Auslobungen nötig sein. Der Begriff Anti-Aging wurde bereits von der Gesichtspflege auf die Segmente Körper- und Haarpflege und sogar der dekorativen Kosmetik ausgeweitet. Die Herausforderung wird weiterhin bestehen, Auslobung und komplexe Wirkmechanismen in Einklang zu bringen und kundengerecht verständlich zu kommunizieren. Dank einer stetig steigenden demographischen Nachfrage wird dieser Hautpflegebereich wie in den letzten Jahren weiterhin das am besten wachsende Segment darstellen.

Abbildung 3: Anti-Aging ist auch “Better-Aging”


Die Grundlagen für diesen Artikel, welche für die vorliegende Publikation vertieft thematisch bearbeitet wurde, stammen aus dem einleitenden Theorieteil einer Bachelor Thesis, die im Sommer 2009 in Zusammenarbeit mit der ZHAW in Wädenswil (CH) (Betreuung durch Petra Huber, Dozentin für Kosmetik und Toxikologie) und Mibelle AG Cosmetics (CH) (Dr. Bernhard Irrgang, Head of Business Unit Face & Body Care) entstanden ist.

Hinweis
Die Erstveröffentlichung dieses Artikels erfolgte im SOWF-Journal:
Petra Huber, Karin Hess; Anti-Aging - Wo stehen wir? Theorien und Hypothesen zur Hautalterung, SOFW-Journal 136, 10-2010, S.2-10
Petra Huber, Karin Hess; Anti-Aging - Where Do We Stand? Theories and Hypotheses on Skin Aging, SOFW-Journal 136, 10-2010, pp. 2-10

Literatur
[1] Kleine-Gunk B. (2003), Anti-Aging - moderne medizinische Konzepte, UNI Med Verlag AG, Berlin
[2] Voss, W. (2008), Kosmetik und Genetik, Vortragsveranstaltung Fachgruppe „Angewandte Kosmetik“, in „Anti-Aging – Forever Young“, SOFW 8-2008
[3] Schmitt, R., Homm, S. (2008), Handbuch Anti-Aging und Prävention, Verlag im KILIAN, Marburg
[4] Ballier R. (2009), Einführungsvortrag, Vortrag am VII. internat. Kongress für Anti-Aging & Präventivmedizin; von der evidenzbasierten zur individual-Medizin, Sept. 2009
[5] Branna, T. (Juni 2009), All about Actives. Happi, Juni 2009, IRI – Deutschland: Marktdaten für Gesicht 2008, S. 69
[6] Lennard, C. (April 2009), The Next Beauty Hotspots in Personal Care-Future Opportunities and Challenges, Präsentation In-Cosmetics 2009, München
[7] Gopinathan K. Menon et al. (2008), Approaches to the Development of Cosmetics Products to counter the effects of skin aging, in Skin aging handbook, ed. Nava Dayan, William Andrew
[8] Huber P. (2006), Anti Aging – Hautalterung aus kosmetischer Sicht, Teil 1, pharm. drog. 01
[9] Kerscher M., 2004, Dermatokosmetik, Steinkopf Verlag, Darmstadt, S. 28f, 100
[10] Chung JH. et al., (2001), Modulation of skin collagen metabolism in aged and photoaged human skin in vivo, J Invest. Dermatol 2001; 117:5
[11] Voss W., Schlippe G. (2006), Hautalterung: Molekularbiologische Mechanismen, in Anti Aging, SÖFW Jahresbuch
[12] Kallabis, W., Kastner, A. (2007), Das Anti-Aging-Lexikon; Alles Wissenwerte von A – Z. Herbig Verlagbuchhandlung GmbH, München
[13] Krutmann, J., Diepgen, T., Billmann-Krutmann, C.(2008), Hautalterung. Grundlagen, Prävention, Therapie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg
[14] Fritz, K., Kammerer, S. (2005), Ästhetische Medizin. Konzepte für die Anti-Aging-Praxis. Urban & Vogel GmbH, München
[15] Callaghan, T. M., Wilhelm, K.-P. (2008), A review of ageing and an examination of clinical methodes in the assessment of ageing skin. Part I: Cellular and molecular perspectives of skin ageing. International Journal of Cosmetic Science 2008 / 30, S. 313 – 322
[16] Wiesner RJ, Zsurka G, Kunz WS (2006), Mitochondrial DNA damage and the aging process; facts and imaginations, Free Radic Res. Dec 40(12), 1284-94
[17] Kunz WS (2009), Mitochondriales Altern, Vortrag anlässlich des VII. Internationaler Kongress für Anti Aging- und Präventivmedizin; Von der Evidenz-basierten zur Individual-Medizin, Sept. 2009
[18] Umbach, W. (2004), Kosmetik und Hygiene von Kopf bis Fuss. 3. vollständig überarbeitete Auflage. Wiley-VCH Verlag GmbH & Co, Weinheim
[19] Zouboulis, Ch. C. (2003), Intrinsische Hautalterung. Eine kritische Bewertung der Rolle der Hormone. Der Hautarzt 9 / 2003, S. 825 - 832
[20] Schürer, N. Y. (2003), Anti-Aging Fakten und Visionen. Der Hautarzt 9 / 2003, S. 833 – 838
[21] Schmid, D., Muggli, R., Zülli, F. (2002), Collagen glycation and skin aging. Cosmetic and Toiletries Manufacture Worldwide 2002, S. 118 – 124, http://www.mibellebiochemistry.com/pdfs/Collagen_ glycation_and_skin_aging_-_CT_2002.pdf (04.08.2009)
[22] Maes, D., Declercq, L., Corstjens, H. (2007), Glycation: Its Impact on Premature Skin Aging. Cosmetics & Toiletries Magazine, Vol. 122, No 6 / Juin 2007, S. 30 – 37

Autor


Petra Huber, eidg. dipl. pharm. MAS ETH MTEC, ist Dozentin für Kosmetik und Toxikologie an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil (Schweiz). Zu ihren Projekten gehören die Erforschung der Machbarkeit von angereicherten Lebensmitteln im Bereich Schönheit und Ernährung für den Schweizer Markt. Sie ist Mitglied der Swiss Society for Anti Aging Medicine and Prevention (SSAAMP), der Vereinigung der Seifen-, Parfüm- und Waschmittelfachleute e.V., Sektion Schweiz (SEPAWA), des Schweizerischen Apothekerverbandes (Pharmasuisse) und der Schweizerischen Gesellschaft der Kosmetik-Chemiker Schweiz (SWISS SCC), in dessen Vorstand sie Anfang 2011 gewählt wurde.

Kontaktadresse:
Petra Huber, eidg. dipl. pharm. MAS ETH MTEC, Dozentin für Kosmetik und Toxikologie
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Life Sciences und Facility Management
Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation
Standort Grüental
Postfach
CH-8820 Wädenswil



Karin Hess, Bachelor in Lebensmitteltechnologie (ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Wädenswil), hat ihre Bachelor-Thesis im Bereich Kosmetik verfasst und ist seit Herbst 2009 als Trainee-M-Industriemanager für die Projektleitung diverser Projekte in den Unternehmen der Migros-Industrie tätig. Ab November 2011 wird sie als Produktentwicklerin in der Abteilung Forschung & Entwicklung bei der Mifa AG beschäftigt sein.

Kontaktadresse:
Karin Hess, BSc in Lebensmitteltechnologie,
Trainee M-Industriemanager
Ab November Forschung & Entwicklung bei der Mifa AG
Rheinstr. 99
CH-4402 Frenkendorf
E.Mail: karin.hess@mifa.ch
Internet: http://www.mindustry.com/de/home.html
www.mifa.ch

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