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Bedeutung des beruflichen Hautschutzes Zahlreiche berufliche Tätigkeiten in der Industrie, im
Handwerk, in Krankenhäusern, Arztpraxen und im Privathaushalt sind
mit häufigem Händewaschen, intensiver Feuchtarbeit oder regelmäßigem
Hautkontakt zu Substanzen mit irritativer oder allergener Potenz (zum
Beispiel Metallsalzverbindungen, Kühlschmiermittel, Lösemittel,
Detergentien, Desinfektionsmittel oder Friseurstoffe) verbunden. Durch
den oft gleichzeitigen Einfluß dieser Belastungsfaktoren kann es
insbesondere bei Personen mit empfindlicher, trocken-fettarmer Haut zu
einer Überbeanspruchung oder Schädigung der natürlichen
Hautbarriere und als Folge davon, bevorzugt an den Händen, zum Auftreten
kumulativ-toxischer oder, in selteneren Fällen, allergischer Kontaktekzeme
kommen (Abbildungen 1 bis 3). Den Berufsgenossenschaften entstanden hierdurch Kosten für Behandlungs-, Rehabilitations- und Entschädigungsmaßnahmen in Höhe von mehr als 300 Millionen Mark. Rechnet man die Kosten der Krankenkassen und die Arbeitsausfallkosten der Arbeitgeber der Betroffenen hinzu, so dürfte sich der in Deutschland durch berufsbedingte Hauterkrankungen verursachte volkswirtschaftliche Gesamtschaden auf mindestens eine Milliarde Mark im Jahr belaufen.
Neben den von den
Unfallversicherungsträgern registrierten Berufsdermatosen sind auch
noch die nicht statistisch erfaßten Erkrankungsfälle zu berücksichtigen.
Obwohl über deren Anzahl nur spekuliert werden kann, ist hier von
einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Insbesondere aus Angst vor Verlust
des Arbeitsplatzes wird längst nicht jede mit der beruflichen Tätigkeit
in Zusammenhang stehende Hauterkrankung bei den Berufsgenossenschaften
angezeigt. Darüber hinaus ist auch im Bereich der nichtversicherungspflichtigen
Berufstätigkeiten, zum Beispiel im eigenen Haushalt, von einer hohen
Zahl berufsbedingter Hauterkrankungen auszugehen. Angesichts der hohen Kosten und der möglichen sozialen Nachteile für die Betroffenen wird der Prophylaxe berufsbedingter Dermatosen ein allgemein hoher Stellenwert eingeräumt (2-5). Zu den prophylaktischen Maßnahmen gehören eine richtige Berufswahl, technische Schutzmaßnahmen im Betrieb, das Tragen persönlicher Schutzausrüstungen, die Verwendung geeigneter Hautschutz- und Hautpflegepräparate sowie die Realisierung einer schonenden Hautreinigung (2). Die Wahl eines hautadäquaten Berufes ist die wichtigste Voraussetzung für die Verhütung berufsbedingter Hauterkrankungen. Seit langem ist bekannt, daß Personen mit Veranlagung zur atopischen Dermatitis einem erhöhten Ekzemrisiko bei Ergreifen hautbelastender Berufe, zum Beispiel in der Metall- oder metallverarbeitenden Industrie, im Friseurhandwerk oder in anderen "Feuchtberufen", unterliegen können (3). Sie sollten sich deshalb vor der Berufswahl beziehungsweise vor einem geplanten Berufs- oder Arbeitsplatzwechsel einer berufsdermatologischen Eignungsuntersuchung bei einem Hautarzt unterziehen, damit sie von für ihre Haut ungeeigneten Tätigkeiten ferngehalten werden. Bei der innerbetrieblichen Prophylaxe ist kollektiven technischen Schutzmaßnahmen grundsätzlich Vorrang vor persönlichen Schutzmaßnahmen einzuräumen. Technische Problemlösungen mit dem Ziel, den direkten Hautkontakt der Beschäftigten zu hautbelastenden Substanzen entweder ganz zu vermeiden oder wenigstens einzuschränken, gelingen am ehesten in Großbetrieben durch organisatorische Änderungen der Arbeitsabläufe oder Austausch der hautaggressiven Stoffe gegen Substanzen mit fehlendem oder abgeschwächtem Schädigungspotential. In Kleinbetrieben sowie im Haushalts- und Privatbereich sind solche Maßnahmen dagegen kaum umsetzbar. Hier muß deshalb auf das Tragen persönlicher Schutzausrüstungen, vor allem Schutzhandschuhe, sowie auf die Verwendung von Hautschutz- und Hautpflegemitteln ausgewichen werden. Bei der Benutzung von Schutzhandschuhen muß sichergestellt
sein, daß das Handschuhmaterial ausreichend auf Beständigkeit
gegenüber den jeweils vorliegenden Schadstoffen geprüft wurde.
Durchlässige Handschuhe bieten nicht nur keinen Schutz, sondern können
die Schadstoffwirkung durch den Okklusionseffekt des Handschuhmaterials
unter Umständen sogar verstärken (3, 5). Außerdem kann
langanhaltendes Tragen enganliegender Handschuhe zu einem Wärme-
und Feuchtigkeitsstau und als Folge davon zu einer Quellung und Aufweichung
der Haut mit anschließender Schweißzersetzung und Geruchsentwicklung
führen. Weitere Einschränkungen für das Tragen von Schutzhandschuhen
bestehen an Arbeitsplätzen mit hohen Anforderungen an den Tastsinn
und die Fingerbeweglichkeit. Hieraus wird deutlich, warum sich die Prophylaxe
bei zahlreichen beruflichen Tätigkeiten auf die Verwendung geeigneter
Hautschutz- und Hautpflegepräparate sowie auf die Realisierung einer
schonenden Hautreinigung beschränken muß. Hautschutz- und Hautpflegepräparate Im beruflichen Bereich wird je nach Anwendungszweck und -zeitpunkt
zwischen speziellen Hautschutz- und allgemeinen Hautpflegepräparaten
unterschieden. Letztere werden überwiegend nach der Arbeit zur Aufrechterhaltung
beziehungsweise Wiederherstellung einer leistungsfähigen Hornschichtfunktion
eingesetzt und können primär auf die individuelle Hautbeschaffenheit
des jeweiligen Anwenders zugeschnitten werden. Dies ist im Privatbereich
naturgemäß einfacher umzusetzen als in einem Betrieb, der mehreren
Personen mit unterschiedlichen Hautzuständen Hautpflegemittel zur
Verfügung stellen muß. Als Kompromißlösungen werden
in den meisten Betrieben Cremes und Lotionen vom Emulsionstyp Öl-in-Wasser
angeboten, die neben einem guten Einziehvermögen auch einen ausreichend
hohen Lipidanteil von wenigstens 20 Prozent besitzen sollten. Formulierungen
mit sehr niedrigem Lipid- und statt dessen höherem Wasseranteil können
insbesondere bei Personen mit trocken-fettarmer Haut zu einer Verstärkung
der Hautaustrocknung und als Folge davon zu einem erhöhten Ekzemrisiko
führen (3, 4). Diese Personen sollten deshalb anstelle von O/W-Emulsionen
stärker rückfettende Präparate vom Emulsionstyp Wasser-in-Öl
bevorzugen.
Die wenigen bisher für die Wirksamkeitsprüfung von Hautschutzpräparaten entwickelten in-vivo-Methoden werden zur Zeit vom Arbeitskreis Hautschutz der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie (ABD) auf ihre Tauglichkeit als Routinetestverfahren überprüft (11). Selbst das in diesen Untersuchungen wirksamste Hautschutzmittel bietet jedoch, im Gegensatz zu einem optimalen Schutzhandschuh, immer nur einen partiellen und zeitlich befristeten Kontaktschutz gegen die jeweiligen Schadstoffe. Aus diesem Grund sollten inadäquate Bezeichnungen für diese Produktgruppe (zum Beispiel "unsichtbarer Handschuh"), die beim Anwender ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, vermieden werden. Hautschutz durch schonende Hautreinigung An vielen Arbeitsplätzen muß die Haut mehrfach am
Tag mit Seifen, Syndets oder anderen Hautreinigungsmitteln gewaschen werden.
Dies bedeutet insbesondere für Personen mit anlagebedingter trocken-fettarmer
Haut ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung kumulativ-toxischer
und auch allergischer Kontaktekzeme. Allein durch das beim Hautreinigungsvorgang
benutzte Wasser werden der Haut bereits beträchtliche Mengen der
in den Hornschichtzellen lokalisierten natürlichen Feuchthaltesubstanzen
entzogen. Außerdem kann es durch Tenside und andere Inhaltsstoffe
von Hautreinigungsmitteln zu einer Hautentfettung mit nachfolgender Störung
der epidermalen Barrierefunktion kommen. Beide Prozesse führen zu
einer Erhöhung des transepidermalen Wasserverlustes (TEWL) und infolgedessen
zum klinischen Bild der trockenen, rauhen Haut (Abbildung 1). Dieser auch
als Abnutzungsdermatose bezeichnete Hautzustand hat eine Wegbereiterfunktion
für den weiteren Krankheitsverlauf: Tenside und andere berufsrelevante
Irritantien können dann, ebenso wie potentielle Kontaktallergene,
erleichtert in tiefere Hautschichten eindringen und dort die Pathomechanismen
für ein kumulativ-toxisches beziehungsweise ein allergisches Kontaktekzem
auslösen (Abbildung 5). Bei den Bemühungen um eine schonende Hautreinigung muß der
Versuch im Vordergrund stehen, dieses Nebenwirkungsrisiko weitestgehend
abzuschwächen. Dabei sind mehrere Aspekte zu berücksichtigen, die sowohl
das persönliche Verhalten als auch die Auswahl der verwendeten Hautreinigungsmittel
betreffen (Tabelle 2). Die Vielfalt der im beruflichen Bereich anzutreffenden
Verschmutzungen erfordert eine breite Palette verschiedener Hautreinigungsmittel
mit unterschiedlichem Reinigungsprinzip und abgeschwächter Reinigungswirkung.
Je nach Art und Intensität der Verschmutzung kann zwischen einfachen Seifen
und Syndets, reibemittelhaltigen Handreinigern und Spezialprodukten mit
Zusätzen von Lösemitteln, Reduktionsmitteln oder anderen reinigungsverstärkenden
Komponenten ausgewählt werden (2-4).
Innerhalb der einzelnen Produktklassen wird die Hautverträglichkeit
der betreffenden Handelspräparate in erster Linie durch die Art der eingesetzten
Tenside bestimmt. Aus vergleichenden Irritationsprüfungen mit verschiedenen
Methoden ist bekannt, daß zwischen den einzelnen Tensidklassen zum Teil
gravierende Unterschiede in der Irritationswirkung existieren (Tabelle
3). Diese Unterschiede finden sich bei den einzelnen Handelspräparaten
wieder (12-15) und sollten bei der Produktauswahl mit berücksichtigt werden.
Hautreinigungsmittel auf der Basis stark irritierender Tenside, vor allem
Fettalkoholsulfate, sollten insbesondere von Personen mit trocken-fettarmer,
empfindlicher oder vorgeschädigter Haut gemieden und durch Produkte auf
Basis besser hautverträglicher Tenside, wie Ethercarbonsäuren, Sulfosuccinate
oder Alkylpolyglykoside, ersetzt werden. Nur unter dieser Voraussetzung
kann auch mit der Hautreinigung ein Beitrag zum Schutz der Haut am Arbeitsplatz
geleistet werden.
Literatur (1) Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften
(Hrsg.), Übersicht über die Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der gewerblichen
Berufsgenossenschaften im Jahre 1995, Sutter Druckerei, Essen (1996) nach oben | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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