Erarbeitung neuer Qualitätscharakteristika und resultierende Optimierung von
Sonnenschutzmitteln
Das natürliche Sonnenspektrum besitzt neben UV-Anteilen auch erhebliche Intensitäten
im sichtbaren (VIS) und nahinfraroten (NIR) Bereich. Welche Auswirkungen von dieser
VIS/NIR-Strahlung auf die Haut im Bereich des Sonnenschutzes zu erwarten sind
und wie sie zur Qualitätscharakterisierung von Sonnenschutzmitteln beitragen
kann, soll im Folgenden aufgezeigt werden. Als Meßmethode wird die Remissionsspektroskopie
verwendet. Sie ermöglicht in vivo Messungen der optischen Eigenschaften der
Haut im gesamten Spektralbereich, ohne eine direkte Erythemreaktion der Haut berücksichtigen
zu müssen.
Abbildung: 3D-Darstellung der Remissionsspektren zur Bestimmung der antiinflammatoriechen
Wirksamkeit
Anhand von verschiedenen Meßstudien konnte gezeigt werden, dass die VIS/NIR-Strahlung
als Zusatz zum COLIPA-Spektrum bei der SPF-Prüfung die MEDu (minimale erythemale
Dosis der unbehandelten Haut) und den SPF (Sonnenschutzfaktor) von Sonnenschutzprodukten
signifikant erniedrigen kann. Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, inwieweit
bestehende SPF-Bestimmungs-Normen erweitert werden sollten. Sie lassen außerdem
erkennen, dass Sonnenschutz auch bis in den VIS/NIR-Bereich hinein als sinnvoll
erscheint.
Inwiefern Gerbstoffe als neue Wirkstoffklasse in Sonnenschutzprodukten eingesetzt
werden können, um den oben genannten Effekten entgegenzuwirken, demonstrieren
antiinflammatorische Kurativ/Präventivstudien. Für den natürlichen Gerbstoff Tannin
ist sowohl ein antiinflammatorischer Effekt als auch eine Präventivschutzwirkung
vor einer Erythembildung unabhängig vom spektralen Untersuchungsbereich nachweisbar.
Zur Optimierung von Sonnenschutzmitteln und Aftersun-Produkten zeigt sich Tannin
als interessanter neuer Wirkstoff.
Neue in vivo Qualitätscharakteristika von Sonnenschutz- und Aftersun-Produkten
demonstriert die für diese Studien verwendete Remissionsspektroskopie. Mit ihr
ist eine detaillierte Analyse der spektralen Stabilität, der Absorptionseigenschaften,
der Wasserresistenz und der entzündungshemmenden und erythembeeinflussenden Eigenschaften
von Sonnenschutzprodukten in vivo möglich.
Autor
Diplom-Physikerin
Marianne Brandt
Studium der Physik mit Schwerpunkt Biophysik und Fernstudium Medizinische Physik
und Technik. Seit 1997 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Dr. Schrader
- Creachem GmbH. Ihr Arbeitsgebiet umfasst die Entwicklung und Validierung verschiedener
biophysikalischer in vivo und in vitro Messverfahren.
Das
erste Forum der Forschungsgemeinschaft für die kosmetische Industrie e.V. (FKI)
fand im November 1999 in Holzminden bei den Instituten Dr. Schrader statt. Die
Creachem GmbH ist eine Forschungsstelle der FKI. Frau Marianne Brandt berichtete
über ihr aktuelles Projekt aus den Vorhaben der Gemeinschaftsforschung.